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Tag | Dienstag, 19.09.2006 Ras Al Khaimah - Fujairah
| Entfernung: 120 km
Um
8 Uhr war die Nacht vorbei und wir bereiteten uns auf einen weiteren erlebnisreichen
Tag vor. Heute stand die Fahrt mit einem Allrad-Geländewagen vom Arabischen-Persischen
Golf durchs Hajar-Gebirge und das Sultanat Oman bis nach Fujairah am Golf
von Oman auf dem Plan. Pünktlich um 10 Uhr holten uns drei klimatisierte
Ranch Rover ab und die Gruppe verteilte sich auf die Fahrzeuge. Die Wahl, sich
für das erste Gefährt zu entscheiden, war - wie sich später herausstellte - sehr
gut. Während unser Gepäck separat zum nächsten Hotel gebracht wurde, machten wir
uns auf den Weg zum 2.000 m hohen Hajar-Gebirge. Da die Ranch Rover u. a. mit
einem im Innenspiegel integrierten Kompass ausgestattet waren, war ein Verfahren
ausgeschlossen. Unser Fahrer berichtete uns außerdem, dass er die Strecke
schon oft gefahren ist. Wir befanden uns also in guten Händen. Von
gut asphaltierten Straßen kamen wir nun auf holprigen Schotterweg, der uns direkt
zum Wadi führte. Ein Wadi ist ein Trockental bzw. ein Trockenfluss in Wüsten
und/oder Steppengebieten. Diese Strecke, so berichtete unser Fahrer, sei zur Regenzeit
nicht passierbar, da alles überschwemmt ist. Der Wasserpegel würde bis an die
2 m ansteigen. Um an das Grundwasser zu gelangen, muss man fast 20 m tief bohren.
Die Fahrt wurde etwas schneller und der Staub wirbelte hinter uns auf, so
dass die dahinter liegenden Fahrzeuge nicht mehr zu sehen waren. Jetzt versteht
es sich, warum es eine gute Entscheidung war, ins Führungsfahrzeug zu steigen.
Wir erreichten die Grenze zum Sultanat Oman. Zwei bewaffnete Soldaten nahmen
von allen Mitreisenden die Reisepässe (ein Visum wurde nicht benötigt) entgegen
und verschwanden in ihrem Häuschen, das nahezu aussah wie ein Plumpsklo – es fehlte
nur noch das Herzchen in der Türe. Nach sage und schreibe 15 Minuten kamen sie
erst wieder heraus. Sie gaben uns die Pässe zurück und öffneten den Schlagbaum.
Da der folgende 11 km lange Landstreifen weder zu den V.A.E. noch zum Oman gehört,
waren wir nun erst einmal im Niemandsland. Kurz
hinter der Grenze machten wir einen Schnappschuss aus der Heckscheibe unseres
Geländewagens, den wir hätten eigentlich gar nicht machen dürfen. In dem
Grenzbereich war - wie die Warnschilder angaben - das Fotografieren verboten,
nur das haben wir erst gelesen/gesehen, als das Foto bereits im Kasten war. Die
Behörden verstehen bei so etwas keinen Spaß und nehmen einem im schlimmsten Fall
den Film/Speicherchip ab. Doch wie heißt das 11. Gebot so schön: “Du sollst dich
nicht erwischen lassen!“ ... Nur wenige Augenblicke später machten wir
einen richtigen Fotostopp vor der faszinierenden Kulisse des Hajar Gebirges.
 Steile
Serpentinen ging es hinauf und man hätte meinen können, man durchfährt den
Grand Canyon der USA. Von den herrlich anzusehenden Felsstrukturen machten
wir einige Fotos, doch leider keines zeigt wirklich diese herrliche Atmosphäre.
Kaum zu glauben, dass hier in der Einöde vereinzelt Menschen leben. Um dies zu
ermöglichen, stehen in gewissen Abständen Wassertanks, an denen sich die Beduinen
für sich selbst und für ihr Vieh (meist Ziegen, Esel und Schafe) Wasser holen
können. Einige
Ziegen überquerten die Straße, die meisten jedoch suchten im Schatten bzw. auf
Bäumen, in Felsvorsprüngen oder zum Teil in den 150 Jahre alten Steinhäusern,
die sogar heute noch bewohnt werden, Schutz vor der Sonne. Ein
Highlight des Tages war der am Straßenrand geplante Picknick-Lunch bei 37
°C, den wir - mittlerweile befanden wir uns auch im Sultanat Oman - zwischen
riesigen Felswänden und gegenüber eines Wadis einnahmen. Da hier wohl eher
selten ein Fahrzeug vorbei fährt - wir haben nur eins oder zwei gesehen -
ist das Lunchen am Wegesrand eine tolle Sache. Große Teppiche wurden ausgebreitet,
worauf jeder ausreichend Platz fand. Während wir uns die Sandwiches und Salate,
das Obst und die Muffins haben schmecken lassen, wurden wir von zwei herumlaufenden
Ziegen beobachtet.
Durch
die leicht wehende Brise machte uns die Wärme zum ersten Mal weniger etwas aus.
Jetzt fehlte nur noch ein Lagerfeuer, ein paar Pferde und 'ne Packung Marlboro
- hey, nicht doch - wir sind beide Nichtraucher! Die Musik, die aus einem der
Geländewagen zu hören war, die tolle Aussicht, das leckere Essen, die
gute Stimmung innerhalb der Reisegruppe und dieses wahnsinnig geile Urlaubsgefühl,
an einem Ort zu sein, den wir zuvor noch nie besucht hatten und der so einen wunderschönen
Eindruck bei uns hinterlies, machte dieses für uns einmalige Event perfekt.
Mirella berichtete, dass man sich in den Wadis vor Wölfen, Schlangen und Skorpionen
in Acht nehmen müsse; auch einen Panda habe man hier wohl schon gesehen. Puh,
Glück gehabt! Wir sind weder auf Wölfe oder Schlangen, noch auf Skorpione
oder Pandas gestoßen. Unsere Fahrt ging langsam weiter und nach
einiger Zeit erreichten wir die zweite Kontrollstelle. Hier gingen die Soldaten
etwas zügiger vor. Zuvor meinte unser Fahrer nur, wir sollen alle Fotoapparate
wegpacken, um unnötigen Stress zu vermeiden. Gesagt, getan. Ohne besondere Vorkommnisse
konnten wir auch diesen Kontrollpunkt passieren. Nach
einer Weile sahen wir neben den Bergen den Ozean. Dibba, ein kleiner Ort
am Indischen Ozean bzw. am Golf von Oman gelegen, besteht aus drei Stadtteilen
mit unterschiedlichen Verwaltungen. Dibba al-Hisn gehört zum Emirat Sharjah,
Dibba Muallab zu Fujairah und der nördliche Stadtteil Bayah gehört zum
Sultanat Oman. In Bayah machten wir eine 5-minütige Pause im Freien. Melanie nutzte
die kurze Zeit zum Muschelsammeln am eher dunklen, aber feinen Sandstrand im Oman,
während Alexander sich ein schattiges Plätzchen im Pavillon suchte.
Entlang
der Küste des Golfs von Oman erreichten wir die kleinste und älteste Moschee
der Vereinigten Arabischen Emirate, die weiße Bidiyah-Moschee, deren
Baudatum bisher noch nicht ermittelt werden konnte. Für Muslime ist sie eine
heilige Stätte, die noch heute genutzt wird. Der Eintritt in die mit Alabasterfenstern
geschmückte Moschee ist nur Muslimen gestattet. Bevor wir wieder in die Autos
stiegen machten
wir einige Aufnahmen von dem kleinen Bauwerk und der schönen Blumen, die
auf dem Areal angepflanzt wurden. Gefreut haben wir uns, als die "Moschee-Aufseher"
uns als kleines Geschenk eine in deutscher Sprache verfasste Ausgabe des Korans
überreichten.
Mittlerweile war es schon kurz nach 15 Uhr, als wir in unserem Hotel Al Diar
Siji im Emirat Fujairah ankamen. Von allen Hotels gehörte dieses keiner
Kette an und war uns vorher auch in keinster Weise bekannt. Von daher hatten wir
schon kleine Bedenken gehabt, was uns da nur erwartet mag. Diese Gedanken waren
vollkommen unbegründet, denn das riesige Zimmer glich einer Suite (sehr großes
Vorzimmer mit Wohn- und Essbereich sowie separater Schlafbereich) und der Rest
des Hotels war einwandfrei. Wir hatten das Gefühl, in einer mit allem Schnick-Schnack
ausgestatteten 2-Zimmer-Wohnung untergekommen zu sein. Flachbild-TV im Wohn-/Esszimmer
mit rundem Esstisch und einem zusätzlichen Flachbild-Fernseher im Schlafraum.
Nur das Badezimmer war - verglichen mit der Fläche der anderen Räume
- etwas zu klein geraten, aber ansonsten tipptopp.
Nachdem wir uns nach der langen Fahrt wieder salonfertig gemacht haben, erkundeten
wir noch ein wenig die Umgebung. Von unserem Zimmer aus sahen wir schon einen
ganz tollen Verkehrskreisel mit einem riesiger Adler. Den mussten wir uns natürlich
von nahem anschauen. Wie wir auf der Straßenkarte gesehen haben, hat Fujairah
noch mehr von diesen Verkehrsinseln zu bieten. Und somit haben wir kurzerhand
entschlossen, uns jeweils von einem Taxi zu den einzelnen Punkten fahren zu lassen.
Für das Taxi, mit dem wir vom Adler- zum Rosenduftgefäß-Kreisel fuhren,
zahlten wir 5 DH und von da aus bis zum Kannen-Kreisel 8 DH. Ein Taxifahrer
wollte sogar 15 DH für die gleiche Strecke, nur da haben wir ganz schnell das
Taxi gewechselt. Dieses Kreisel-Sightseeing bietet sich auch gut als Stadtrundfahrt
an. Übrigens, keines der Taxen in Fujairah war mit einem Taxameter ausgestattet.
Man sollte daher den Preis vor Antritt der Fahrt verhandeln. Vom
Kannenkreisel aus sind wir dann entlang der Strandpromenade gelaufen und unsere
T-Shirts hielten der hohen Luftfeuchtigkeit und immer noch, obwohl es langsam
Abend wurde, warmen Temperaturen (37 °C) nicht mehr stand. Das Wasser lief uns
förmlich den A.... runter, um es mal salopp zu formulieren. Entlang der Strandpromenade
standen hübsch anseheliche Muscheln, die als Sitzmöglichkeit dienten.
Unserem
Hotel gegenüber lag das Lulu Shopping-Centre. Hier kauften wir uns
eine Schale mit 16 gefüllten Weinblättern (auch bekannt als Dolmatica) für 4,50
DH (ca. 1 Euro), frisches arabisches Brot, eine große Schale mit Reis und
zwei Behälter mit warmem, gebratenem Hühnchenfleisch in süß-saurer Soße sowie
etliche Getränkedosen. Alles zusammen hat weniger als umgerechnet 7 Euro gekostet.
Die Verpflegung in den V.A.E. ist wirklich erstklassig und super billig! Das Essen
haben wir uns in unserem Hotelzimmer schmecken lassen - Besteck gab es natürlich
gratis im Lulu Shopping-Centre. Nachdem wir uns durch die einheimischen
und deutschen Sender (ARD, ZDF, RTL, RTL 2 und VOX) zappten, machten wir gegen
0:30 Uhr das Licht aus, denn am nächsten Morgen ging es wieder früh los.
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