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Reisebericht

5. Tag | Mittwoch, 20.09.2006
Fujairah - Al Ain
| Entfernung: 120 km


Um 7 Uhr war die Nacht auch schon wieder vorbei. Duschen, anziehen, Koffer schließen und für die Abholung vor die Zimmertüre stellen (in allen Emiraten haben wir hiermit gute Erfahrung gemacht, nirgends kam ein Koffer abhanden), anschließend ausgiebig frühstücken und pünktlich um 8:30 Uhr saßen wir im Reisebus. Los ging die Fahrt an unserem 5. Tag in Richtung Wüstenstadt Al Ain (Emirat Abu Dhabi).

Festung FujairahUnweit des Stadtzentrums machten wir halt bei der damaligen Festung von Fujairah, die auch als Gefängnis diente. Weil sie zum Zeitpunkt unserer Reise zu einem Museum umgebaut wurde, konnten wir nur von außen einen Blick darauf werfen. Die Kameras bzw. Fotoapparate aller Rundreiseteilnehmer waren nicht gleich startklar. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit und dem krassen Temperaturwechsel zwischen klimatisiertem Hotel, klimatisiertem Bus und der beginnenden Hitze am Morgen im Freien, beschlug sofort die Linse vom Objektiv, der Filter und das Okular. Deshalb hatten auch die ersten Aufnahmen einen seitlichen Schleier, was ja auch ganz nett aussehen kann.

Herrscher von Fujairah (kann auch "Fudschaira" geschrieben werden) ist derzeit Scheich Hamad ibn Muhammad asch-Scharqi. Mit seinen 76.000 Einwohnern und ca. 1.200 km² ist es flächenmäßig nur halb so groß wie das Saarland. Neben Tauchen und Hochseefischen werden hier Stierkämpfe aufgeführt, jedoch nicht im „spanischen Stil“. Die Bullenkämpfe sind vollkommen unblutig und die Spielregeln recht einfach. Der Bulle, der zuerst von einem anderen Bullen aus dem Ring geschoben wird, hat gewonnen. Man könnte es fast mit Sumo-Ringen vergleichen. Feste Termine für das Spektakel gibt es nicht. Sobald man Anfeuerungsrufe einer Menschenmenge wahrnimmt, kann ein Bullenkampf nicht weit sein. Da solch eine Veranstaltung nur freitags in Fujairah ist, konnten wir leider keinen Kampf sehen.

Oase BithnahWir fuhren weiter in Richtung Masafi, vorbei am Flughafen und einer Geflügelfarm, die von einem Deutschen geleitet wird, und machten den nächsten Halt bei einem guten Aussichtspunkt auf die natürliche Oase Bithnah. Ein sehr schönes Panorama wurde uns hier geboten. Inmitten von Palmen tauchte eine Festung auf, die 1735 erbaut wurde und drumherum Dattelfelder und einige Wadis. Die Siedlung wurde ca. 1000 vor Christus gegründet.

GrabIn unmittelbarer Nähe befindet sich ein Friedhof mit typischen schmucklosen Gräbern. Beschriftete Grabsteine oder Blumenschmuck wie wir ihn kennen gibt es nicht. Man erkennt lediglich an der Anzahl der Steine, welches Geschlecht bestattet wurde. Bei Frauen werden drei Steine aufgestellt, bei Männern zwei. Wenn jemand verstirbt, wird er/sie mit Gebeten bestattet, anschließend geht die Trauergesellschaft Essen und mehr Fürsorge bezüglich Grabpflege erfolgt nicht.

Etwa 5 km außerhalb von Masafi, eine Mineralwasser-Abfüllanlage hat diesen von den Hajar-Bergen umgebenen Ort bekannt gemacht, besuchten wir den Freitagsmarkt ("Friday Market"), den Souk al–Jouma. Dieser Markt kam zu seinem Namen, da er in früheren Zeiten nur freitags stattgefunden hat. Entlang der Straße versuchten Obst- und Gemüse-, Teppich-, Blumen- und sonstige Händler ihre Ware anzupreisen. Zum Glück waren wir mit dem Bus unterwegs, sonst hätte Melanie bestimmt wieder jede Menge Pflanzen eingekauft.

Masafi Obststand
IKEA - LKW
Masafi - Teppiche

Nicht nur wegen seines Freitagsmarktes ist Masafi bekannt, sondern auch - wie bereits erwähnt - wegen seines Mineralwasservorkommens.

Die gut ausgebaute 6-spurige Autobahn nach Al Ain ist großzügig bepflanzt mit Palmen, was nicht zuletzt der Verdienst des Herrschers war. Er lies tausende Palmen anpflanzen, um seinen Traum von „Grünen Emiraten“ zu verwirklichen. Die Bewässerung erfolgt computergesteuert.

KarawaneBei der Weiterfahrt ins Landesinnere nahm kurz hinter dem Örtchen Al Dhaid die Umgebung wieder wüstenhaften Charakter an. Immer wieder sahen wir Kamelherden am Wegesrand, so Freilaufendes Kameldass unsere Kameras reichlich zum Einsatz kamen. Nur gut, dass wir eine Kamera mit einem 4 GB und eine weitere mit einem 1 GB Speicherchip dabei hatten. Die weiblichen Kamele, die mit 6 bis 7 Monaten zum Verkauf stehen, sind am wertvollsten (Weibchen = 10.000 bis 15.000 DH, Männchen = 3.000 bis 5.000 DH), da sie nicht nur gebärfreudig sind und Milch geben sondern auch, weil sie schneller sind als ihre männlichen Artgenossen.
Vorsicht KameleDaher sind Rennkamele in der Regel auch Weibchen, die dann durchaus 1 bis 2 Millionen Dirham kosten können. Rennkamele bekommen besonderes Futter wie beispielsweise Müsli, um sie auf natürliche Weise zu „dopen“.
KamelherdeDa es öfters Verkehrsunfälle mit Kamelen gab und der Verursacher grundsätzlich daran Schuld war, wurden die Kamelbesitzer dazu angehalten, entsprechende Zäune zu bauen. Sollte nun ein Kamel trotz Zaun ausbüchsen und es zu einem Unfall kommen, kommt der Kamelbesitzer für den Schaden auf.

KamelmarktWir besuchten den Kamelmarkt, der sich in der Nähe von Al Ain und Buraimi (Sultanat Oman) befand. Beim Ausstieg aus dem Bus kam uns nicht nur wieder die warme Luft entgegen, sondern eine besondere Brise Kamelduft, wobei das Wörtchen „Duft“ noch geschmeichelt ist. Für die Kameltreiber war der Bus mit Touristen eine willkommene Abwechslung. Einige boten sich auch gleich als Fotograf an, nur wer hier seine Kamera aus der Hand gibt, sollte gut zu Fuß sein.
KamelmarktDrei verschiedene Kamelarten (schwarze, hellbraune und weiße) wurden zum Verkauf angeboten.
Die schwarzen Kamele sind aus Saudi Arabien, die hellbraunen kommen aus Afghanistan und die nahezu weißen bzw. beigen Kamele stammen aus dem Sudan. Da es leider kein dunkelblaues Kamel mit ABS, Airbag, Ledersitzen, Klimaanlage, Navigationssystem, Servolenkung und integrierter Weglaufsperre gab, sind wir ausnahmsweise ohne eins weitergefahren. ;o)

BuraimiVorbei an Beduinenhäusern, die kostenlos den Einheimischen zur Verfügung gestellt werden, und einigen EPPCO-Tankstellen, die zu Emirates Airline gehören, erreichten wir die Abzweigung nach Buraimi. Um nach Buraimi zu fahren, wurden nochmals unsere Pässe kontrolliert, weil wir nun wieder einmal omanisches Hoheitsgebiet betraten. Die Oase Buraimi gehört zu einem Drittel zum Oman. Oman ist, wie bereits schon erwähnt, ein Sultanat, dessen Staatsoberhaupt und Regierungschef seit 1970 Sultan Qaboos bin Said bin Taimur Al Said ist. Die Hauptstadt ist Muscat.

Bei einem Bummel über den Gewürz-Souk in Buraimi konnten wir u. a. die unten gezeigten Schnappschüsse machen. Nicht zuletzt haben wir das auch Mirella zu verdanken, da sie die verschleierte Frau auf Arabisch ansprach und fragte, ob sie mit einem Foto einverstanden sei.

Goldmaske
Markt Buraimi
Markt Buraimi - Oman

Für gewöhnlich lassen sich insbesondere verschleierte, arabische Frauen nicht fotografieren und das akzeptieren wir natürlich. Über Souks könnten wir stundenlang bummeln, um einfach die verschiedensten Eindrücke und Düfte auf uns wirken zu lassen. Doch die Zeit drängte leider ein wenig, da wir noch Al Ain, eine Enklave von Abu Dhabi, erreichen wollten und zudem weiterhin einiges auf dem Programm stand.

Gegen 12 Uhr am Mittag sind wir in der Wüstenstadt Al Ain ("Wasserquelle") angekommen. Al Ain liegt ca. 160 km östlich von Abu Dhabi City und ist mit rund 336.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Emirats Abu Dhabi. Laut Mirella ist die Oasen- und Gartenstadt seit 1920 bewohnt und in den 1940er Jahren wurde mit dem Straßenbau begonnen. Wahnsinn, eine blühende Stadt (die Ausdenung von Ost nach West beträgt mehr als 30 km) mitten in der Wüste, in der 36 Parkanlagen zum Spaziergang einladen.

Nationalmuseum Al AinUrsprünglich wollten wir die 4.700 Jahre alten Ausgrabungsstätten in den Hili-Gärten besichtigen, doch leider war dies wegen Restaurierungsarbeiten nicht möglich. So besuchten wir eben etwas früher als geplant das Nationalmuseum in der Festung des verstorbenen Herrschers. Samstags bis donnerstags hat das Museum zwischen 9 Uhr und 16 Uhr geöffnet sowie freitags zwischen 9 Uhr und 11:30 Uhr. Montags ist Ruhetag. Im Nationalmuseum von Al Ain kann man u. a. historische Antiquitäten, den Stammbaum der königlichen Familie Al Nahyan und Wachsfiguren, die Alltagsszenen der Beduinen darstellen, betrachten.

Oase
Falaj-System (Bewässerungssystem)
Oase

Nur einen Katzensprung von dem Fort entfernt hatten wir unseren nächsten Stopp bei einer Dattelpalmen-Oase. Es war total schön, inmitten so vieler Palmen zu stehen. Mit dem bewährten antiken Falaj-System (das ist eine gemauerte Wasserrinne) erfolgt die Bewässerung der Palmenanlage. In den ganzen Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es mehr als 90 verschiedene Sorten an Datteln; jährlich werden etwa 10.000 Dattelpalmen angepflanzt. An einer Palme hängen pro Jahr ca. 60 kg Datteln.

Hilton Al AinGegen 14 Uhr trafen wir im Hotel Hilton Al Ain ein. Da wir mächtig Appetit auf irgendwas hatten, machten wir uns sogleich über das Buffet her. Bei der riesigen Auswahl wusste man wieder mal nicht, womit man zuerst anfangen sollte. Fisch, Fleisch, Gemüse oder einfach nur einen Salat? Wir probierten einfach alles aus. Dabei haben wir uns doch fest vorgenommen, den Urlaub zu nutzen, um essensmäßig etwas kürzer zu treten. Aber wenn doch alles so gut schmeckt … Und für nur 55 Dirham pro Person in einem Hilton Hotel zu büffenieren (Wort-Neuschöpfung!), na, da kann man doch nicht auf Kalorien achten.

Zimmer Hilton Al AinBis 18 Uhr hatten wir Zeit zur freien Verfügung. Wir bezogen zunächst einmal unser Zimmer im 4. OG mit der Nummer 410. Es war sehr großzügig und hell eingerichtet. Eigentlich bevorzugen wir im Hotelzimmer eher Fliesen als Teppichboden, doch der Teppich war so schön flauschig und vor allem sauber, dass es richtig angenehm war, barfuß darauf zu laufen. Zusammenfassend können wir auch dieses Hotel durchaus weiterempfehlen.

VerkehrsinselStadttor Al Ain In unserer Freizeit setzten wir uns wieder einmal in ein Taxi und fuhren für wenige Dirham direkt in den Stadtkern Al Ains. Hier gleich ein Tipp: Kein Taxi nehmen, das direkt vor der Hoteltüre parkt. Deren Taxameter fängt bereits bei 5 DH an zu zählen. Bei den Taxen, die man direkt an der Straße anhält, fängt hingegen der Zähler bei Null an zu tickern. Wir haben bereits erwähnt, dass es uns die Verkehrsinseln angetan haben, so sind wir auch dieses Mal nicht an dieser hier vorbei gekommen. Die Teekanne symbolisiert die Gastfreundschaft und die drumherum angeordneten Tassen stehen für die sieben Emirate.

MoslemNatürlich sind uns noch viele schöne andere Dinge in Al Ain über den Weg gelaufen, wie hier zum Beispiel eine Moschee, vor der gerade ein Gläubiger sein Gebet zelebrierte. Uns ist aufgefallen, dass insbesondere die Männer, die mit ihrem PKW vorbeifuhren, uns oftmals zugewunken haben - einfach nur mal so. Ein sehr freundliches Völkchen die Araber in den V.A.E., muss man schon mal sagen.

Al Ain Palast MuseumRuck zuck war es auch schon Abend und gegen 19 Uhr fuhren wir gemeinsam mit unserer Reisegruppe zum Al Ain Palast Museum. Der Palast war bis 1960 der letzte Wohnsitz des 2004 verstorbenen Sheikh Khalifa Bin Zayed Al Nahyan.
Al Ain Palast Museum - MajiliFür rund 5 Millionen Euro wurde das gesamte Gelände renoviert. Auf dem sehr schön gestalteten Areal sieht man u. a. die Schlafgemächer, Arbeitszimmer und Empfangsräume - den sog. Majlis, in denen der Herrscher gerne mit seinem Volk Kaffee oder Tee getrunken und geplaudert hat - sowie eine Ahnengalerie von allen männlichen Familienmitgliedern.
Al Ain Palast Museum - KinderbetttDie Familie Al Nahyan ist ziemlich groß. Allein Sheikh Khalifa Bin Zayed Al Nahyan hatte offiziell 35 Kinder, davon 19 Söhne. Sie alle, zum Teil aber auch die Frauen, haben führende Positionen in der Wirtschaft und Politik inne.
Al Ain Palast Museum - Beduinenzelt Als wir gerade um das Beduinenzelt herum liefen, ertönten aus dem naheliegenden Minarett die Rufe des Muezzin zum Gebet. Irgendwie passte dies in dem Moment und wir haben dieses arabische Flair so richtig genossen. Total klasse!

Einwohner Al AinDer Rundgang dauerte gut 45 Minuten. Danach sind wir noch gemeinsam in die City gefahren und haben einen Streifzug durch die Geschäftsstraße unternommen.
Mit Eintritt der Dunkelheit war wesentlich mehr los auf den Straßen, was natürlich an den Temperaturen lag. Nichtsdestotrotz haben wir uns nie, an keinem Ort in den V.A.E. (auch nicht in Seitenstraßen), unsicher oder unwohl gefühlt.

Zurück im Hotel machten wir uns fertig für unsere erste Nacht mitten in der urbanisierten Wüste und mit Vorfreude auf Abu Dhabi City.



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