Reisebericht Südafrika
Mittwoch, 26.09.2007 | Hluhluwe - Durban | Gefahrene Kilometer: ca. 350
Nach dem Frühstück wurden wir so herzlich von den Frauen mit Zulu-Gesang verabschiedet, wie wir einen Tag zuvor begrüßt wurden und sie hatten sichtlich Spaß dabei.
Ganz in der Nähe unserer Unterkunft in Hluhluwe gibt es ein Zuludorf, welches als erstes auf unserem heutigen Plan stand. Im Zuludorf sind wir gegen 8 Uhr angekommen und wurden von "Magama", dem Redensführer des Dorfes, mit den Worten: "Sanibonani", was soviel wie "Guten Morgen" heißt, begrüßt. Er führte uns durchs Dorf und erläuterte ausführlich die Gewohnheiten und Rituale der Zulus. So essen z. B. Männer und Frauen in ihren runden Hütten getrennt oder Männer laufen grundsätzlich voraus. Beim rituellen Begrüßungstrunk, an dem wir alle teilnahmen, probierte eine barbusige Zulufrau als erstes das hefebieraritge Getränk und erst dann reichte sie es weiter an den Stammesvater. Nachdem er einen großen Schluck genommen hatte, nahm das Mädel die Schöpfkelle und ging reihum.
Die anschließende Tanzvorführung, begleitet von Trommeln und traditionellen Gesängen in der Sprache der Zulus, war ganz nett anzusehen, sehr rasant und rhythmisch zugleich. Na ja, eben extra für Touris. Danach hatten wir noch Zeit für ein kleines Fotoshooting mit den Zulu-Frauen und -Männern. Da die Sonne schon wieder nicht schien und wir an sich gerade mal 20 Grad (wenn überhaupt) hatten, war die "Big Mama" sicherlich heil froh, als man sie freundschaftlich in den Arm nahm, um sie für einen kurzen Moment zu wärmen. Die Namensgebung "Big Mama" hat sie von uns persönlich bekommen, weil sie mit ihrem großen roten Hut und ihrem massiven Erscheinungsbild einfach so ausschaute wie eine "Big Mama" eben. Tatsächlich verkörperte sie jedoch die Medizinfrau. Sie ist diejenige, auf die alle Bewohner in einem Zuludorf gerne auf ihr Wissen von überlieferten Heilmethoden zurückgreifen. Auf Zulu wird eine Medizinfrau als "Hila" bezeichnet.
Kurz nach 9:30 Uhr befanden wir uns dann wieder auf der N1 in Richtung Empangeni bzw. Durban. Noch ein kurzer Stopp am Zamimpilo comm. Market und wir fuhren die 350 km durch bis nach Durban. Vorbei am "Tal der Tausend Hügel" (Valley of the Thousand Hills), Zuckerrohr-Plantagen, Mangobäumen und vielen weiteren schönen Feldern. Zu schade, dass es schon wieder zu regnen anfing, denn die vielen schönen blühenden Jacaranda-Bäume sehen im Sonnenschein bestimmt noch freundlicher aus.
In Umhlanga nahmen wir die Abfahrt auf die M12 und kamen dem Indischen Ozean immer näher. Die wenigen restlichen Kilometer bis nach Durban haben wir schnell hinter uns gebracht. Durban ist die wichtigste und größte Hafenstadt Südafrikas und befindet sich in der Provinz KwaZulu-Natal. In ihr leben rund 3 Mio. Einwohner, wobei der Bevölkerungsanteil an Indern sehr hoch ist.
Zu einem Fotostopp hielten wir kurz auf einer Anhöhe im neuen Stadtteil Durbans und hatten zum ersten Mal einen Blick auf die Skyline der Stadt.
Bei unserer kurzen Orientierungsfahrt kamen wir durch den neuen und alten Stadtteil. Wir fuhren entlang des Hafens, vorbei am alten Gefängnis und der Point Road. Diese Vergnügungsmeile kann man mit der Reeperbahn in Hamburg vergleichen. Mit dem Wetter hatten wir nun wirklich kein Glück, denn es war kalt und sehr windig. Von dem farbenfrohen Stadtbild, wie es im Katalog beschrieben wurde, war nicht viel zu sehen. Später fing es sogar noch an zu regnen.
Bei dem Wasserthemenpark "uShaka Marine World" (einem der größten Aquarien der Welt, dem größten Delfinbecken Afrikas und der größten Hai-Population der südlichen Erdkugel) stiegen wir um 13:45 Uhr aus zum Shoppen, Essen, Bummeln oder was auch immer wir während des 90-minütigen Aufenthalts tun wollten. Wir setzten uns in eines der vielen Restaurants in dem Marine Park. Im Zentrum des Parks wurde Livemusik gespielt. Hier hörten wir zum ersten Mal den Song "1973" von James Blunt. Seitdem werden wir immer an Südafrika erinnert, sobald das Lied in deutschen Radios gespielt wird.
Zum Abschluss unserer Stadtrundfahrt hielten wir nochmals kurz beim "Indian Market" an. Anschließend ging es direkt zum Hotel Southern Sun Elangeni. Da es leider noch immer regnete und sehr windig war, fielen alle weiteren Unternehmungen, die wir eigentlich für uns alleine geplant hatten (wie u. a. Spaziergang an der 6 km langen Küste Durbans [The Strand]) förmlich ins Wasser.
Von unserem Hotelzimmer aus konnten wir sehen, welch hohe Wellen vom Indischen Ozean aufgewirbelt wurden. Der Sturm nahm immer mehr zu, sodass sogar die Satellitenschüssel vom Dach abgerissen wurde und im Pool landete. Selbst richtig große Sonnenschirme wurden wie Spielzeug vom Wind umgeworfen.
Etwa gegen 20 Uhr gingen wir ins hoteleigene, schöne Restaurant und waren vom Buffet begeistert. Vor allem der Schokobrunnen hatte es uns als Dessert angetan.
Im Laufe des Abends lernten wir einen ganz netten Mann, der am Tisch neben uns gesessen hat, kennen. Er kam aus Howick (ca. 100 km nördlich von Durban gelegen) und möchte, wie er uns erzählte, eine Segelflugschule eröffnen. Irgendwie kamen wir darauf zu sprechen, woher er seine Segelflieger bezieht und er meinte aus Poppenhausen in Deutschland; er selbst war noch nie dort. Kaum ein Deutscher kennt das Dörfchen Poppenhausen in der hessischen Rhön und als wir ihm erzählten, dass wir den Ort kennen und sogar schon mehrfach dort waren, meinte er: "Really, it's amazing!" und rückte mit seinem Stuhl noch einen Tick näher an unseren Tisch heran. Wir haben uns noch eine ganze Weile gut mit ihm unterhalten. So klein ist doch die Welt. Kurz nach 22 Uhr kam uns die Idee, wir könnten ja mal eine Nachtaufnahme von Durban machen und fuhren mit dem Aufzug in die 12. Etage unseres Hotels. Von einem Seitenfenster aus hatte man auch einen guten Blick auf die City. Nur das Fenster musste man festhalten, sonst hätte es einem der heftige Wind aus der Hand geschlagen. Nachdem die Bilder im Kasten waren wurde es langsam Zeit, aufs Zimmer zu gehen, denn ein langer Tag stand wieder bevor.




