Reisebericht Südafrika
Dienstag, 25.09.2007 | Swaziland - Hluhluwe | Gefahrene Kilometer: ca. 300
Das frühe Aufstehen bekommt uns nicht wirklich, aber wir wollten es nicht anders und vor allem wussten wir, dass es keine Erholungsrundreise durch Südafrika wird, sondern positiver Stress ist. Dazu gehört auch frühres Weckerklingeln um 6:30 Uhr. Ein kurzer Blick raus aus dem Fenster und am liebsten wären wir wieder zurück ins kuschelige Bett gesprungen. So wie der gestrige Tag im Swaziland endete, so ging es nahtlos weiter. Dunkle Wolken, Nieselregen und Temperaturen um die 18 Grad; da konnte nur noch ein ausgiebiges Frühstück den Tag etwas erheitern.
Gegen 8 Uhr saßen wir alle wieder im Bus und fuhren auf der MR3 von Ezulwini in Richtung Manzini. Vorbei am "Swazi Cultural Village" (Regierungsgebäude) und etlichen Jacaranda-Bäumen, die bei strahlendem Sonnenschein sicherlich noch schöner ausgesehen hätten. Wir befinden uns direkt im Lebombo Gebirge, welches vorwiegend als Weide- und Ackerland von den Swazis genutzt wird. Manzini, die zweitgrößte Stadt im Königreich Swaziland, erreichten wir um 8:30 Uhr. Ausgestiegen sind wir jedoch nicht. Vorbei an Apfelsinenplantagen durchfuhren wir den Ort Siovuna. Egal wo man hinschaute, alles war irre schmutzig. Aus dem Grund hielten wir auch nicht an und es ging weiter auf der MR8 in Richtung Big Bend, wo wir um 9:35 Uhr angekommen waren. Auch hier gibt es viel Landwirtschaft, einen Stausee und Zuckerrohrplantagen. Bis zur Grenze zu Mosambik sind es keine 10 km mehr. Der Regen hat mittlerweile nachgelassen, nur noch tiefe graue Wolken waren zu sehen.
Immer wieder sahen wir kleine Häuser, in denen es für uns nur schwer vorstellbar ist zu leben. "Schön" kann man diese Behausungen und allgemein die Umgebung nicht bezeichnen. Da half auch nichts, dass der Usutu River ganz in der Nähe floss.Einmal musste unser Busfahrer voll in die Eisen steigen, weil Kühe und Ziegen einfach auf die Fahrbahn liefen. Selbst vom Hupen haben sie sich nicht beeindrucken lassen. Die Swazis haben es nicht so mit Zäunen, deshalb war es auch keine Seltenheit, dass man Rinder direkt am Fahrbahnrand hat grasen sehen.
Von 9:55 bis 10:20 Uhr kehrten wir im "Nisela Safaris" ein. Das Nisela Safaris ist eine riesige Anlage mit Gästehäusern und einem kleinen Bestand an Tieren wie z. B. Strauße, Perlhühner, Webervögel und Krokodile. Es befindet sich direkt am Fuße der Lebombo Gebirgskette im Herzen des Lowveld. Wir hatten ausgiebig gefrühstückt, deshalb vertraten wir uns nur unsere Füße ein wenig. Für gewöhnlich geben wir keine Tipps was Toiletten anbelangt, aber diese hier sind wirklich sehenswert. Allein der Spülkasten wirkt nostalgisch, da er aus Holz ist.
Wir setzten unsere Fahrt fort und im Bus kam von mehreren Mitreisenden die Bitte auf, einen Moment zu halten, um die Umgebung der Lebombo Berge zu fotografieren. Joseph suchte einen passenden Haltepunkt aus und bat uns, wirklich nur kurz auszusteigen. Er befürchtete nämlich, dass aus allen Himmelsrichtungen Swazis angelaufen kommen, um zu betteln oder gar Schlimmeres passieren könnte. Kaum standen wir, kamen wirklich aus allen Ecken Kinder herbeigerannt und ruck zuck waren wir umringt von einer Schar bettelnder Kinder. Swaziland gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und es brach einem fast das Herz, in die traurigen Kinderaugen zu schauen, die hilfesuchend die Blicke auf uns "reiche Weisen" richteten, die Hände aufhielten mit den Worten: "Give me some money!" oder "Give me something to eat!". Eine Mitreisende hatte eine Tüte mit Süßigkeiten in der Hand und die Kinder waren so euphorisch, dass sie ihr fast die Tüte aus der Hand rissen.
Damit die Situation nicht eskalierte, schnappte sich Irene die zwei ältesten Kinder, legte ihnen freundschaftlich die Arme um die Schultern und zog sie etwas von der Frau weg. Einem kleinen Jungen (schätzungsweise war er höchstens drei Jahre alt) schenkte Irene eine Apfelsine, mehr hatte sie jetzt nicht zur Hand. Nach und nach stiegen wir wieder in den Bus ein. Vom Fenster aus konnten wir noch beobachten, wie der kleine Junge die Apfelsine hinter seinem Rücken vor den anderen Kindern versteckte. Sehr lange wird er die Frucht wohl nicht gehabt haben. In so einem Moment wird einem mal wieder richtig bewusst, in welchem Überfluss wir doch leben und wie gut wir es doch eigentlich haben. Jetzt hätten wir - speziell Melanie - mal dringend einen Kaffee nötig gehabt ...
Wir erreichten Golela, den Grenzübergang von Swaziland nach Südafrika, um 10:50 Uhr. Dieses Mal dauerte die Einreise etwas länger, weil zig Swazis nach Südafrika einreisen wollten. Nach einer halben Stunde war es geschafft, wir waren wieder auf südafrikanischem Boden in der Provinz Kwazulu-Natal.
Jetzt waren es nur noch 24 km auf der N2 bis nach Mkuze (bei Hluhluwe). Die asphaltierte Straße verließen wir nun und bogen auf einen plattgefahrenen Feldweg ab. Das Areal hatte wieder eine gewisse Ähnlichkeit mit der vom Krüger Nationalpark, vor allem weil unzählige Giraffen und Impallas zu sehen waren. Zehn Kilometer mussten wir auf diesem Weg bis zu unserer Unterkunft "Bayala Game Lodge" fahren, wo wir bereits singend von den Mitarbeiterinnen und einem Begrüßungscocktail herzlich willkommen geheißen wurden. Singend wurden wir bisher noch nie in einem Hotel begrüßt.
Die Anlage unserer Unterkunft sah soweit gepflegt aus, auch unser Zimmer mit der Nummer 17 war - für solch einen kurzen Aufenthalt - ok. Strohdach, Deckenventilator, zwei Betten à 90 x 200 cm und einer Dusche. Man darf eben keine hohen Erwartungen stellen, dann kann man sich auch damit arrangieren. Moskitonetze waren leider keine an den Fenstern angebracht, doch hier wären sie sehr nützlich gewesen. Nachdem wir einige Moskitos ins Jenseits befördert (Mitreisende griffen in ihren Zimmern gleich zur richtigen Chemiekeule), wir unsere Koffer im Zimmer verstaut und uns mit Deet eingesprüht haben, gesellten wir uns zu den anderen aus unserer Reisegruppe, da das kalte Buffet bereits angerichtet war.
Um 14 Uhr, nachdem wir uns gestärkt haben, war Abfahrt zu einer weiteren Pirschfahrt im offenen Geländewagen in dem 44 km entfernten Hluhluwe-Umfolozi Game Reserve, welches das älteste Wildreservat Südafrikas ist. Das Wetter war immer noch mies und ausgerechnet jetzt fing es auch noch an ein wenig zu regnen.Nach einer holprigen Fahrt über Trampelpfade erreichten wir nach 45 Minuten das Umfolozi Game Reserve. Der Wildpark ist für seinen großen Bestand an Spitz- und Breitmaulnashörnern bekannt und wurde im Jahre 1895 zum Schutzgebiet erklärt.
Dieses Mal steuerte eine englischsprachige Rangerin namens Jessica unseren Jeep. Auch sie war sehr nett und auskunftsfreudig. Nachdem wir alle unseren Platz einnahmen und uns in Decken einwickelten (es war ohne Jacke und langer Hose richtig kalt) begann die Tour durchs Gelände.Das Reservart war landschaftlich eigentlich recht attraktiv, weil das Gras und die Bäume um einiges grüner und satter aussahen als im Krüger Nationalpark. Auch was den Verkehr auf den Wegen anbelangt, so war erheblich weniger los. Vielleicht lag es auch nur daran, dass das Wetter für eine Pirschfahrt nicht wirklich einladend war.
Büffel, Breitmaulnashörner, verschiedene Vogelarten, Nyalas (das ist eine Antilopenart, die aussieht als hätten sie gelbe Socken an) und Giraffen - um nur einige Tiere zu nennen - konnten wir beobachten. Sogar den Kampf ums Revier zweier Nashörner (auch Rhinos genannt) konnten wir sehen. Jessica rollte mit dem Jeep vorsichtshalber etwas zurück, weil wir genau in der Mitte der beiden Männchen standen. Die beiden Rhinos rannten aufeinander zu und schauten sich lange tief in die Augen. Dabei schwenkten sie ihren Kopf hin und her, kreuzten zum Teil ihre Hörner und schoben den Rivalen zurück. Das ging so lange, bis der Schwächere nachgab und sich endgültig zurückzog. Der Stärkere markierte anschließend sein Revier durch einen ordentlichen Schei..haufen.
Alexander konnte dem Spektakel nach einer gewissen Zeit nicht mehr seine volle Aufmerksamkeit schenken. Urplötzlich bekam er solch heftige Magenschmerzen, einhergehend mit Atemnot, dass die Tour für unseren Jeep abgebrochen werden musste. Jessica informierte via Handy Irene, die nach einiger Zeit (für Alexander eine Ewigkeit) mit Joseph und dem Reisebus ankam. Gemeinsam mit den beiden fuhren wir zwei dann nach Hluhluwe, um eine Apotheke aufzusuchen. Nach weiteren 45 Minuten erreichten wir dann endlich die Apotheke. Irene sprang aus dem Bus und in die Apotheke, schilderte Alexanders Symptome und kam wenige Augenblicke später wieder mit Medikamenten zurück. Melanie war unterdessen in den Supermarkt nebenan gerannt und organisierte Becher und etwas zum Trinken. Alexander nahm an Medizin (Tabletten und Medigel) alles, was ihm gereicht wurde. Zum Glück schlugen die Medikamente innerhalb kurzer Zeit an. Die Schmerzen ließen auf ein erträgliches Maß nach und er bekam wieder richtig Luft. Was für eine Aufregung! Da denkt man an nichts Böses und urplötzlich ist man auf ärztliche Hilfe angewiesen. Aber was viel erschreckender ist, fast zwei Stunden musste Alexander sich mit Schmerzen rumquälen, bis endlich Abhilfe geschaffen werden konnte. In so einem Land und in dieser Region erkennt man, insbesondere in solchen Situationen, dass es nicht selbstverständlich ist, kurze Wege zu haben, um professionelle Hilfe in Anspruch nehmen zu können. Das nächstgelegene Krankenhaus war eine Flugstunde entfernt. Noch nie mussten wir in einem Urlaub Medikamente schlucken oder gar einen Arzt aufsuchen. Da kann man mal wieder sehen, wie schnell so etwas gehen kann. Doch auf die Art von Abenteuer können wir liebend gerne verzichten.
Wir vier fuhren wieder zurück zum Camp des Hluhluwe-Umfolozi Game Reserve, um die anderen aus der Gruppe einzusammeln. Auf halber Strecke kamen sie uns schon mit ihren offenen Jeeps entgegen, weil sie dachten, der Bus benötige wegen des Vorfalls länger und komme gar nicht mehr. Da es draußen immer kühler wurde, waren unsere Mitreisenden froh, in den warmen Bus steigen zu können und weiter ging es zu unserer Unterkunft Bayala Game Lodge.Um 19 Uhr gab es Abendessen, welches ausnahmsweise mal im Preis inbegriffen war. Da Alexander seinem Magen nicht zu viel zumuten wollte, hat er das Essen ausfallen lassen und sich lieber von Roiboostee ernährt. Auch Melanie hatte nicht wirklich Appetit, aber eine kleine Portion leckeres Maismehl mit einer noch leckeren Tomatenpaste (oder was es auch immer war) hat sie dann doch probiert. Natürlich gab es auch noch Suppe und Salat und Fleisch und ein Dessert, aber das war für diesen Abend - für uns - zu viel des Guten.
So peu à peu haben sich alle in ihre Lodges begeben, außer wir beide. Bei einem Tässchen Tee haben wir im Restaurant unsere Tagesnotizen ins Reine geschrieben. Die Angestellten haben schon die Tische für das Frühstück am nächsten Morgen hergerichtet, als eine Servicekraft ein Liedchen - auf Zulu - angestimmt hat und alle anderen sind fröhlich mit eingestiegen. Wie schön es doch anzuhören war. Und wir mittendrin. Mitten im Zululand!




