Reisebericht Südafrika
Montag, 24.09.2007 | Krüger Nationalpark - Swaziland | Gefahrene Kilometer: ca. 300
Irene betätigte sich am frühen Morgen (6:30 Uhr) als Wecker, indem sie von Hütte zu Hütte lief und an der Türe klopfte. Mit ihrem holländischen Akzent hätte man auch meinen können, Linda de Mol persönlich steht vor der Tür. Wir packten noch schnell die restlichen Utensilien zusammen, brachten unsere Koffer zum Bus und gönnten uns anschließend ein ausgiebiges Frühstück. Vom Wetter her versprach es wieder ein wundervoller sonniger Tag zu werden, so saßen wir auch im Freien mit Blick auf River Sabie.Um 8:30 Uhr setzte sich unser Bus in Bewegung und wir fuhren von Skukuza auf der Hauptstraße H1 mit Übergang zur H3 in Richtung Malelane Gate, welches 63 km südlich von Skukuza liegt. Unterwegs sahen wir wieder einige Tiere, wie z. B. Nashorn, Gnu, Wasserbock, Impalla, Kudu und Giraffe, um nur einige zu nennen. Doch das richtige Safari-Feeling stellte sich nicht wirklich ein. Ein Reisebus, in dem sich noch nicht einmal die Fenster öffnen lassen, ist für eine Safari völlig ungeeignet. Man hört nichts, man spürt die Wärme nicht, man kann nicht gescheit fotografieren, weil sich alles im Fenster spiegelt (oder vor Schmutz nichts zu erkennen ist), man hat keinen richtigen Rundumblick ohne dass ein Mitreisender die Sicht vorm Fenster blockiert und von der Wendigkeit des Busses ganz zu schweigen. Wir wissen nicht, warum wir nicht viel eher auf die Idee gekommen sind, aber die weite Strecke bis zum Malelane Tor hätte sich durchaus noch einmal gelohnt, einen eigenen Jeep mit Ranger zu chartern. Im Nachhinein ist man eben immer schlauer.
Wenigstens wurden wir ein bisschen "entschädigt", weil wir einen Leoparden gesehen haben. Er war zwar tierisch weit weg, sicherlich an die 300 m, doch das Ziel, die Big Five zu Gesicht zu bekommen, wurde nun erreicht.
Am Picknickplatz in Afsaal an der H3 legten wir eine kurze Rast von ca. 20 Minuten ein. Einige verbrachten die Zeit in dem kleinen Shop nach einem Souvenir zu schauen. Wer jedoch aufmerksam in die Baumkronen schaute, konnte hier ganz tolle Gelbschnabeltokos und Glanzstars beobachten.Wir begegneten, kurz bevor wir das Malelane Gate erreichten, einer riesigen Büffel-Herde, darunter auch einige Jungtiere.
Exakt um 11:23 Uhr passierten wir das Malelane Gate und sahen mit Wehmut nochmals dem Krüger Nationalpark hinterher. Zu schön war einfach das Erlebte und die vielen Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum gesehen zu haben. Doch ein weiterer Nationalpark stand uns ja noch bevor, nämlich das Hluhluwe-Umfolozi Game Reserve, welches das älteste Wildreservat Südafrikas ist.
Kurz hinter dem Malelane Tor sind wir aus dem Bus ausgestiegen, weil Irene mit uns zu Fuß die Brücke über den Crocodile River überqueren wollte. Der Fluss trägt seinen Namen zu Recht, denn in ihm wimmelt es von Krokodilen. Auch einige Wasservögel und eine Elefantenherde in der Ferne konnten wir hier beobachten.
Im "Inkwazi Shopping Centre" in Malelane verbrachten wir unsere Mittagspause.
Kurz nach 13 Uhr erreichten wir die Grenze zum Königreich Swaziland. Hier mussten wir wieder unsere Reisepässe zücken, in denen wir jeweils einen Ausreisestempel von Südafrika bekamen und einen Einreisestempel für das Swaziland. Aus dem Grund ist es ratsam, einen gültigen Reisepass zu haben, der noch mindestens zwei freie Seiten hat. Weitere Einreiseformalitäten gab es für unsere Gruppe nahezu keine. Wir mussten wirklich nur den Pass zeigen und das war es; wir befanden uns nun im Königreich Swaziland.
Als wir bereits wenige Kilometer im Landesinneren unterwegs waren, hatten wir in ganz Swaziland keinen Handy-Empfang mehr.
Das Swaziland erlangte 1968 seine Unabhängigkeit und wird seit 1986 von König Mswati III. regiert. Obwohl der Großteil der Swazis in Armut lebt (die Arbeitslosenquote liegt bei ca. 40 %) ist der Monarch, trotz seiner protzigen (dennoch traditionellen) Lebensweise, bei seinem Volk sehr beliebt. Jeder seiner 22 Ehefrauen hat er - nach Info von Irene (und sie hat es wiederum aus der Zeitung, die sie uns zeigte) - zur Vermählung einen nigelnagelneuen BMW geschenkt.
Mit seinen 17.363 km² ist das Swaziland flächenmäßig einen Tick kleiner als das Bundesland Sachsen. In unmittelbarer Nachbarschaft sind die Länder Südafrika (mit seinen Provinzen Mpumalanga im Norden/Osten sowie Kwazulu-Natal im Süden) und im Osten Mosambik.
Wir fuhren auf der Schnellstraße MR 103 von Piggs Peak in Richtung Mbabane. Die Landschaft wurde jetzt viel bergiger, mal mehr und mal weniger grün. Viele Kinder, die uns immer freundlich zuwinkten, sahen wir am Straßenrand spielen. Man muss schon fast sagen "leider" sahen wir auch, in welchen Behausungen (zum größten Teil waren es Rundhütten) einige Swazis leben und diese sind sehr, sehr bescheiden.
Die Straße führte uns weiter über mehrere Bergpässe, an deren Rand wir Zuckerrohr- und Ananasplantagen sehen konnten.Um 14:15 Uhr hielten wir kurz an einem kleinen Souvenirstand an, der sich am Rande der Fahrbahn niedergelassen hat. Wir waren zunächst überrascht, wie frisch es doch jetzt auf einmal draußen war, obwohl die Sonne schien. Wir schauten uns an, wie drei Swazis aus Stein kunstvolle Figuren meißelten, die sie natürlich auch für wenig Geld zum Verkauf anboten.
Als wir wieder ins Tal fuhren erzählte uns Irene, dass wir in wenigen Augenblicken eine Gruppe Kinder sehen werden, die ein Gebinde aus Bananenblättern um Hals, Hüfte und Beine tragen. Sie stehen immer zu Beginn und am Ende dieser Brücke und fangen am Straßenrand an zu tanzen, sobald ein Reisebus vorbei fährt. In der Hoffnung, dass dieser wiederum anhält und die Touristen Geld geben. Sie sollen aber nicht durch betteln ihren Lebensunterhalt verdienen, sondern in die Schule gehen. Aus diesem Grund und weil Irene hier schon schlechte Erfahrung gemacht hat, fuhren wir geradewegs an ihnen vorbei. Darüber hinaus wollte unser Busfahrer Joseph auch keine platten Reifen riskieren.
Stattdessen besuchten wir die Glasfabrik "Ngwenya Glass", die sich direkt im Malolotja Nature Reserve befand, und fuhren anschließend weiter zu unserem Endziel Ezulwini.
Leider schlug das Wetter etwas um und der Himmel zog sich mit dicken Regenwolken zu. Gerade einmal 25 Minuten hatten wir nur, um über den Markt in Ezulwini zu rauschen, bevor es weiter zum Hotel "Lugogo Sun" ging. Irene bot zwar an, dass wir auch noch länger auf dem Markt bleiben und zu Fuß zum nahegelegenen Hotel laufen könnten. Doch weil der Markt ohnehin nur bis 17 Uhr geöffnet hatte und wir mittlerweile 16:50 Uhr hatten, war dieser Vorschlag nicht wirklich lohnenswert. Also stiegen wir wieder in den Bus und fuhren weiter zu unserem Hotel Lugogo Sun. Dort kaum angekommen, fing es an zu regnen. Nur gut, dass wir doch nicht länger auf dem Markt geblieben sind.
Von außen sieht das "Lugogo Sun" nicht wirklich einladend aus, doch der Eindruck täuscht. Das Hotel war bislang die beste Unterkunft, die wir auf der Rundreise hatten. Die Zimmer groß und sauber mit zwei King Size Betten und jeweils vier super kuscheligen Kissen. Auch der Poolbereich im Garten war sehr sauber und gepflegt. Das Buffet - ein Traum! Eine gigantische Auswahl an Hauptgängen, Beilagen, Salate, Desserts, Käse, Wurst, Live-Cooking und vieles mehr zu einem richtig günstigen Preis.
Während des Abendessens mit Iris und Sigrid haben wir erfahren, dass das Gebiet choleragefährdet ist. Sigrid hat in der Umgebung entsprechende Schilder gesehen, die darauf hinwiesen. Uups, jetzt hatten wir uns natürlich schon kräftig mit dem Wasser die Zähne geputzt und im Zimmer selbst fanden wir auch keinen Hinweis darauf, dass das Wasser nicht zum Zähneputzen geeignet sei. Wenn, dann wäre es jetzt eh zu spät und davon ließen wir uns den Appetit nicht verderben; geschmeckt hat es trotzdem und wir hatten auch eine geruhsame Nacht im Swaziland.



