Reisebericht Südafrika
Freitag, 21.09.2007 | Johannesburg - Dullstroom - Lydenburg - Pilgrim's Rest - Hazyview
Gefahrene Kilometer: ca. 400
Pünktlich um 7 Uhr früh wurden wir geweckt und nachdem wir unsere Koffer vor die Zimmertüre stellten begaben wir uns zum reichhaltigen Frühstücksbuffet mit allen möglichen Leckereien. Die Zeit für ein ausgiebiges Frühstück reichte uns gerade so aus, da bereits um 8:30 Uhr Abfahrt in Richtung Hazyview war.
Damit jeder einmal in den Genuss kommt, im Bus ganz vorne sitzen zu können, hatte Irene eine ganz tolle Idee. Sie schlug vor, dass diejenigen, die auf der rechten Seite im Bus sitzen, zwei Reihen nach hinten und die, die auf der linken Seite sitzen, um zwei Reihen nach vorne rutschen sollen. Der Gedanke ist sehr sozial, jedoch stiftete diese Regelung bei einigen mehr Verwirrung oder wurden von anderen vollkommen ignoriert. Wie dem auch sei, wir verließen Johannesburg und fuhren über die ab Middleburg Plaza (Mautstation) mautpflichtige Autobahn in Richtung Dullstroom. Die Straßen waren recht lebhaft und keine Seltenheit, dass bei Tempo 100 Leute auf der Ladefläche eines Pick-up zwischen Werkzeug, Säcken oder Möbel ihren Sitzplatz hatten. Das landschaftliche Bild änderte sich von karg und ausgetrocknet bis bergig und grün mit z. B. Eukalyptus- oder Proteabäumen. Zum Teil waren am Straßenrand kleinere Siedlungen zu sehen, deren Häuser sehr notdürftig zusammengezimmert aussahen. Bei einem "Haus" dachten wir, es sei eine Müllkippe, denn das Dach bestand lediglich aus einer schwarzen zerfletterten Plane.
Um 12:15 Uhr erreichten wir Dullstroom, ein kleines idyllisches Örtchen, in dem wir unsere Mittagspause einlegten. Weil es schon so warm war - wir hatten bestimmt gefühlte 26 Grad C - und wir bedingt durch das reichhaltige Frühstück am Morgen noch nicht wirklich viel Hunger hatten, aßen wir nur einen gemischten Salatteller, der aber auch wieder so riesig ausfiel, dass er locker bis zum Abendessen reichte. Nachdem wir noch einen kurzen Spaziergang entlang der Hauptstraße durch das Dorf machten, stiegen wir auch schon wieder in den Bus ein mit nächstem Fotostopp in dem kleinen Städtchen Lydenburg.
Lydenburg wurde 1849 von den Buren - also den Voortrekkern - gegründet. Der Name Lydenburg, was soviel wie "Leidensburg" oder auch "Ort des Leidens" bedeutet, soll an die Tortouren der Voortrekker erinnern. Wir nahmen uns Zeit für die beiden niederländisch reformierten Kirchen, die direkt in unmittelbarer Nähe zueinander gebaut wurden. Die erste oder alte Dutch Reformed Church wurde 1852 von den ersten Voortrekkern erbaut. Doch schnell bemerkte man, dass die Gemeinde rasant gewachsen war und der Platz für alle Gläubigen in einer Kirche nicht mehr ausreichte. Aus diesem Grund wurde 1894 eine größere Kirche, die neue Dutch Reformed Church, erbaut. Die alte Kirche ist heute ein Nationaldenkmal.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich die Voortrekker School. Wir hätten sie beinahe nicht gesehen, so klein und unscheinbar wie sie ist. Wie der Name schon sagt, diente die Voortrekker School als Schule der Burenkinder und die Erwachsenen nutzten sie als Bürgerhaus. Erbaut wurde die Schule im Jahre 1851; sie ist die älteste Lehranstalt im Transvaal. Auch sie gehört zu den vielen Nationaldenkmälern der Voortrekker.
Der Aufenthalt in Lydenburg war nur von kurzer Dauer, letztendlich reichte es auch vollkommen aus. Wir setzten unsere Fahrt fort und hielten knapp 45 Minuten später wieder an, da wir Pilgrim's Rest einen Besuch abstatteten. Bekannt wurde Pilgrim's Rest durch seine enormen Goldvorkommen aus dem Bach Pilgrim's Creek und der Zulauf von Goldjägern machte schnell die Runde auf dem gesamten Kontinent. Die Geschäfte der 1895 gegründeten Transvaal Gold Mining Estate Ltd., der mittlerweile ganz Pilgrim's Rest gehörte, florierten bis 1971 prächtig. Die Ausbeute des Edelmetalls war groß, so dass die Ressourcen Anfang der 70er Jahre erschöpft waren und die Firma veräußerte das gesamte Dorf an die südafrikanische Regierung als Freilichtmuseum. Pilgrim's Rest steht heute unter Denkmalschutz.
Am Ortseingang stehen einige Souvenirverkaufsstände, wo Einheimische ihr Glück versuchen, an Touristen geschnitzte Holzmasken, Leinentischdecken und sonstigen Nippes anzupreisen. Folgt man dem Straßenverlauf, so kommt man direkt an den typischen Wellblechhütten vorbei, die sorgsam restauriert wurden, um den ursprünglichen Charakter zu erhalten. Vor allem der "Dredzen Shop" weckte bei uns eher den Eindruck, als habe man sich in einem historischen Western-Store verlaufen.
Zu seiner Zeit war der General Store der "Tante Emma Laden" von Pilgrim's Rest, denn hier bekam man alles, was sich das Goldgräberherz nur wünscht. Angefangen von Werkzeug über Lebensmittel bis hin zum Whiskey. Viele dieser Gegenstände kann man heute im Shop besichtigen und anderes wiederum käuflich erwerben. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Sieb und einer kleinen Schaufel? Denn wer ausreichend Zeit hat, kann auch heute noch am Pilgrim's Creek nach Gold schürfen.
Wie gesagt, ein wenig hatten wir das Gefühl, wir seien im Wilden Westen der Vereinigten Staaten von Amerika und als die Mädels auch noch anfingen Cancan vor dem Royal Hotel (kann man übrigens besichtigen) zu tanzen, waren wir komplett irritiert. Das war unserer Meinung nach nun gar nicht typisch für Südafrika. Wir schenkten unsere Aufmerksamkeit lieber den Ndebele-Frauen, die vor einem anderen Geschäft standen. Charakteristisch für verheiratete Ndebele-Frauen ist, dass sie Ringe aus Bronze oder Messing um ihren Hals, ihre Beine und Arme tragen. Junge Mädchen hingegen zieren sich mit kragenartigem Wulst, der mit kleinen farbigen Perlen besetzt ist. Die Ndebele sind ein farbenfrohes Völkchen, was man an der Art ihrer Kleidung und an den bunten Häusern erkennen kann. Leider lag das Dorf Botshabelo nicht auf unserer Route, denn hier werden noch Tradition und Kultur mit allen seinen bunten Fassetten gelebt.
In dem Laden der beiden Ndebele-Frauen konnte man diverse Souvenirs wie Postkarten, Masken oder die typischen Ndebele-Puppen kaufen. Eine optische Augenweide sind sie zwar nicht, aber Melanie bestand darauf, auch unseren Souvenirschrank zu Hause mit einer perlenbesetzten Ndebele-Puppe zu zieren.
Auf der weiteren Fahrt zu unserem heutigen Endziel Hazyview berichtete Irene, dass für alle 28 Teilnehmer "nur" drei Safari-Jeeps zur Verfügung gestellt werden, die wir für den übernächsten Tag im Krüger Nationalpark benötigen. Mit 9 Personen in einem Jeep zu fahren war uns entschieden zu viel und daher haben wir uns entschlossen, mit Iris und Sigrid, zwei weiteren Rundreiseteilnehmerinnen, einen eigenen Jeep mit Ranger zu organisieren, was auch kein Problem war.
Hazyview ist idealer Ausgangspunkt, um den Krüger Nationalpark oder "God's Window" am Rande des drittgrößten Canyons der Welt, dem Blyde River Canyon, zu besuchen. Diese und weitere Sehenswürdigkeiten, die wir alle am Folgetag besuchten, liegen in der Provinz Mpumalanga.
Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir Hazyview. Die Temperaturen waren noch immer schön warm und wir gönnten uns ein Eis aus dem riesigen Spar-Supermarkt. In unmittelbarer Nähe war auch ein kleiner Markt, auf dem Macadamianüsse, Bananen, Orangen und andere Früchte angeboten wurden. Um 17:50 Uhr kamen wir dann auch endlich in unserem Hotel Hippo Hollow an. Wir bezogen unsere Lodge mit direktem Blick auf den River Sabie, in dem sogar Hippos (Flusspferde) und Krokodile sein sollen - so zumindest deuten die vielen Schilder auf dem Hotelareal hin.
Voller Vorfreude auf die Begegnung mit echten Hippos machten wir uns eine Stunde später auf den Weg ins hoteleigene Restaurant mit hervorragendem Blick auf den Sabie Fluss. Wir ließen uns die Menükarte bringen und da war es schon beschlossene Sache, dass das Menü aus was Außergewöhnlichem bestehen sollte - etwas, was man nicht unbedingt in deutschen Restaurants erhält.
So fiel die Wahl des Hauptgangs von Alexander auf ein Kudu (Antilope). Melanie war in Sachen Fleischgericht weniger experimentierfreudig und blieb bei ihrem griechischen Salat. Das Essen war sehr schmackhaft und durchaus empfehlenswert. Von der Geschmacksrichtung her erinnerte das Kudu an ein gegrilltes Rindersteak. Bis 22 Uhr saßen wir noch am offenen Fenster mit einem lieblichen südafrikanischen Rotwein namens "Shiraz" und hielten Ausschau nach putzigen Hippos und gefährlichen Krokodilen. Doch die hatten vermutlich was besseres zu tun, als sich von neugierigen Touristen begaffen zu lassen. Halb so wild, uns stand ja noch der Krüger Park bevor, da werden wir sicherlich genug Tiere zu Gesicht bekommen. So endete ohne Hippos unser dritter Tag in Südafrika und wir fielen todmüde in unsere Betten; zumindest träumten wir von einer ganzen Flusspferd-Familie ...




