Reisebericht Südafrika
Samstag, 29.09.2007 | Knysna - Oudtshoorn | Gefahrene Kilometer: ca. 200
Zu jeder Tour entlang der Garden Route ist ein Besuch in Oudtshoorn, dem Eldorado der Straußen und Straußenfarmen, obligatorisch. So auch bei uns. Von Knysna aus fuhren wir auf der N2 über George, entlang des Outeniqua Pass in die Kleine Karoo auf die N12 nach Oudtshoorn.
Landschaftlich ein abwechslungsreiches Bild, wenn da nicht schon wieder dieser Regen wäre. Die Fahrt dauerte ca. eine Stunde. Bei der Touristeninformation in Oudtshoorn, direkt an der Baron van Reede Street, stiegen wir aus. Da die Zimmer im Hotel noch nicht hergerichtet waren, dachte sich Irene, man könne spontan ins "C.P. Nel Museum" gehen. Darin bekommt man u. a. die geschichtlichen Hintergründe der Straußenzucht zu sehen, eine voll ausgestattete historische Apotheke, Kleidung, Waffen usw. Wir selber waren nicht im Museum und es soll nach Erzählungen von Eleonore und Tilman auch nicht so überragend gewesen sein. Zu alt, muffig und nicht klar konzeptioniert, das waren die Hauptgründe der beiden gegen einen Besuch in diesem Museum. Den Eindruck hatten wir bereits am Eingang gehabt, wo wir einen kurzen Blick in die Ausstellungsräume werfen konnten. Deshalb zogen wir es vor, uns von der Gruppe abzuseilen und zu Fuß entlang der Hauptstraße in Richtung Hotel zu gehen.
Gegründet wurde Oudtshoorn im Jahre 1847. Durch die Züchtung von Straußen und wegen des Handels mit Straußenfedern brach ein wahrer Boom Ende des 19. Jahrhunderts aus. Doch die rosigen Zeiten der Federbarone sind seit der Weltwirtschaftskrise vorbei. Die Straußenzucht in Oudtshoorn ist heutzutage dennoch ein wichtiger Wirtschaftszweig, der hart umkämpft ist. Im Gegensatz zu früher, wird heute vom Strauß alles zu Geld gemacht, was der Vogel hergibt. Das sieht man vor allem, wenn man in die Kuriositäten-Shops geht. Staubwedel aus Straußenfedern, Federboas, getrocknetes Straußenfleisch, Straußeneier in allen Variationen (natur, graviert, bemalt), Taschen aus Straußenleder usw.
Zum Schauen hatten wir reichlich Zeit, denn um 14 Uhr ging es erst weiter zu den 32 km nördlich von Oudtshoorn gelegenen Cango Caves. Unterwegs sind wir an sehr vielen Straußenweiden vorbeigekommen. Irene erzählte uns, dass einige Südafrikaner vor allem in dieser Region eher einen Strauß als "Wachhund" halten, als einen Hund. Strauße sind einfach irre neugierig, wachsam und ihre Krallen können schwere Verletzungen bei Mensch und Tier verursachen.
Die Cango Caves (Tropfsteinhöhlen) sind ein unterirdisches Höhlensystem; sie liegen tief im Inneren der Swartberge und sind in mehrere Kammern aufgeteilt, wobei die größte Halle 107 m lang und 16 m hoch ist.
Da nur eine gewisse Anzahl an Besuchern in die Tropfsteinhöhlen eingelassen werden können, wurden anfangs die gesamten Besucher, darunter auch andere Gruppen, in eine Vorhalle geleitet. Anschließend wurden wir aufgeteilt und man konnte sich aussuchen, ob man einem deutsch- (weiblich) oder lieber einem englischsprachigen (männlich) Guide folgen möchte.Mit tollen Lichteffekten und einer schönen Geschichte über das, was man so in den bizarren Formationen erkennen konnte, wurden die Stalaktiten (ein von der Decke aus hängender Tropfstein) und Stalagmiten (vom Boden aus aufwachsender Tropfstein) imponierend in Szene gesetzt. Darüber hinaus wurden wir auf eine nette, informative Weise darüber aufgeklärt, dass seit mehr als 20 Mio. Jahren stetig Wasser durch die Höhlen fließt und so die Kammern und Tunnel entstanden sind. Als wir in der 5. Kammer, dem African Drum Room, ankamen, erlosch unsere Tropfsteinhöhlen-Führerin das Licht und sagte: "Das ist Südafrika bei Nacht!". Um uns herum war es nun finster und auf einmal kam rhythmisches Trommeln auf und unser Guide sang plötzlich die südafrikanische Nationalhymne. Woher hatte sie nur die Trommel? Sie musste sie gar nicht mitbringen, denn Stalaktiten sind in ihrem Inneren hohl und eignen sich hervorragend zum musizieren. In der großen Halle demonstrierte sie auch nochmals wie eindrucksvoll die Akustik war und gab ein "Ave Maria" (wohl die südafrikanische Variante) zum Besten. Jetzt verstehen wir auch, warum hier früher sogar Konzerte veranstaltet wurden.
Gleich im Anschluss an die Cango Caves ging es weiter zur Safari Ostrich Farm, die nur 6 Kilometer südwestlich von Oudtshoorn entfernt liegt. Sie gehört mit zu den richtig großen produzierenden Straußenfarmen, die Besichtigungstouren auch in deutscher Sprache anbieten. Auf ca. 1.800 h Land befinden sich rund 2.000 Tiere. Eindrucksvoll wurden uns hier die verschiedenen Entwicklungsstadien vom Ei über Küken, zu Jungvögeln bis hin zum ausgewachsenen Strauß dargestellt. Darunter waren auch solch Kuriositäten wie Albinos.
Habt ihr z. B. gewusst, dass
- ein Strauß zu 80 % Vegetarier ist?
- ein Straußenei ca. 30 Hühnereiern entspricht?
- man ein paarungsbereites Männchen an seinen rot gefärbten Beinen und dem roten Schnabel erkennt?
- Straußenmännchen ein schwarz-weißes Gefieder haben und Weibchen grau sind?
- ein Strauß bis zu 70 km/h schnell sein kann?
Diese und viele weitere Informationen erhält man ausführlich während der Tour.Das auf dem Areal befindliche Herrenhaus des Federbaron "Welgeluk" wird noch heute von der Familie genutzt. Aus diesem Grund war es nur von außen zu besichtigen. Kurz vor Ende der Tour gab es ein kleines Straußenwettrennen, an dem man auch selber auf eigene Gefahr teilnehmen durfte, und danach hatten wir die Gelegenheit, diverse Straußenprodukte im eigenen Shop zu kaufen. Man sollte meinen, dass die Preise direkt an der Quelle günstiger sind als woanders, aber dem war nicht so. Im Hotelshop gab es die gleichen Produkte um bis zu 40 % günstiger.
Am späten Abend gab's auf der Farm ein Barbecue. Als Vorspeise wurde eine Erbsensuppe serviert. Natürlich bestand das Hauptmenü aus Straußensteak, Straußenbratwurst, Maisbällchen und Salat. Abgerundet wurde das wirklich sehr leckere Essen mit einer Kugel Eis. Der Weiß- und Rotwein war erwartungsgemäß trocken, aber dafür wurde zusätzlich Multivitaminsaft und Wasserkaraffen auf den Tisch gestellt. Nach dem Barbecue ging es zurück zu unserem Hotel in Oudtshoorn.




