Chichen Itza - Die bekannteste Ausgrabungsstätte in Mexiko

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 2. Tag der Rundreise: Chichen Itza

Montag, 23.02.2004

Von Coba bis nach Chichen Itza sind es ca. 105 km, die wir zum Glück bereits am Vortag zurückgelegt haben.

Sehr früh sind wir zu der Mayastätte aufgebrochen und vom Hotel "Mayaland Chichen Itza" bis zum Eingang war es nur ein Katzensprung. Wenn unser Reiseleiter nicht wieder die Gelegenheit genutzt hätte, unnötig Zeit zu schinden. Er pries uns in unmittelbarer Nähe ein Papyrus an, auf dem man sich (s)ein Wunschdatum in Mayaschrift drucken lassen konnte. Das, wie es José nannte, "architektonische" Souvenir sollte sage und schreibe 25 US Dollar kosten. Wenn die Witterungsverhältnisse es zugelassen hätten, dann hätte er uns bestimmt auch Heizdecken oder eine Butter-Kutter-Fahrt angeboten.

Eingang Chichen ItzaGegen 8:15 Uhr bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen betraten wir dann endlich das 5 km² große Areal.

Chichén Itzá soll "Brunnenöffnung der Itzá" bedeuten (Chi = Öffnung, Mund; Chen = Brunnen; Itza = ein sich dort niedergelassener Stamm).

Chichen Itza wurde bereits im Jahre 435 gegründet und erlebte seine Blütezeit zwischen 600 und 900 nach Christus. Danach wanderte die Bevölkerung nach Norden ab und die kriegerischen Itzás nahmen das Gebiet ein. Sie blieben bis ca. 1200, danach ist die Stadt, nach heutigen Kenntnissen, im 15. Jahrhundert untergegangen. Doch welche Gründe konkret dahinter steckten ist bis heute noch unklar. Wissenschaftler vermuten, dass es an einer sehr langen Trockenperiode gelegen haben könne; Hungersnöte, blutige Auseinandersetzungen mit anderen Stämmen, Seuchen etc. Die Palette mit Gründen ist vielseitig und die Fragen immer noch unbeantwortet.

Pyramide des KukulkanTotzdem gehört Chichen Itza (von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt) mit zu den bekanntesten Ausgrabungsstätten Mexikos, was man vor allem an den Touristenströmen bemerkt. Deshalb ist es sehr zu empfehlen, früh am Morgen diese Stätte zu besuchen, um nicht von dem pausenlosen Geklatsche der Amerikaner gestört zu werden, die auf dem Platz vor der Pyramide "El Castillo" demon-
strieren, wie erstaunlich gut die Akustik ist.

Zunächst führte uns unser Guide zum Opferbrunnen, wo er uns mindestens 20 Minuten erklärte, dass es sich um einen Cenote handelt, in den die Mayas Jungfrauen als Opfer an ihre Götter reingeschuppst haben. Nun ja, nachdem wir ein wenig im Internet recherchiert haben, ist diese These widerlegt worden. Denn Taucher fanden Skelette von mindestens 50 Menschen und die Obduktion ergab, dass es sich hierbei hauptsächlich um Männer und Kinder handelte. Neben Leichen fischten die Taucher bei der Gelegenheit zahlreiche Gegenstände aus Keramik, Ton, Gold, Kupfer, Jade und Obsidian heraus.

Danach sollte es weiter zum Observatorium gehen. Allerdings nicht auf direktem Wege; wir blieben mal wieder an irgendwelchen Steinhaufen stehen, wo er zum wiederholten Male Dinge erklärte, die nichts mit der Mayastätte ansich zu tun hatten. Daraufhin packte es wieder einige aus der Reisegruppe, alleine das Gebiet zu erkundschaften.

ObservatoriumWir erreichten nun das Observatorium, welches wir bereits am Abend zuvor von unserem Hotel aus sehen konnten.
"Die Schnecke" hat eine erstaunliche Ähnlichkeit mit den modernen Sternwarten, wofür jedoch die drei übereinanderliegenden Bauwerke verantwortlich sind. Übrigens war es keine Seltenheit, dass alte Gebäude einfach überbaut wurden, da die Mayas glaubten, die magische Kraft konzentriere sich im Laufe der Zeit an bestimmten Orten immer stärker. Wenn die Ära eines Maya-Häuptlings zu Ende ging, übermauerte der neue Häuptling einfach die alte Stätte. Geht man näher an das Bauwerk heran, erkennt man den Fries, der die Maske des Regengottes Chac darstellt.
Die Öffnungen auf dem obersten Baukörper nutzten die Astronomen unter den Mayas, um Sterne und Planeten zu beobachten. Das Betreten der Fläche war leider nicht gestattet.

Steile Aussicht auf PyramideWenige Minuten davon entfernt sahen wir schon von Weitem das Bauwerk, welches uns persönlich am Besten gefiel:
"El Castillo", die Pyramide des Kukulkan.
Auch diese Pyramide wurde überbaut und ihre innere Struktur entstand ca. 800 n. Chr. im reinen Maya-Stil, mit einer Höhe von 16 m.
Die äußere Struktur hat eine Höhe von 24 m und ist voller Symbolik. Man interpretiert verschiedene Kalender hinein.
Von den 4 Seiten hat jede 91 Stufen, zusammen ergibt dies 364, addiert man jetzt noch die oberste Plattform hinzu, ergibt dies 365. Die Zahl entspricht unserem Sonnenjahr.
Es könnte aber auch sein, dass hier nur eine Seite betrachtet werden soll, denn dann erhält man die Anzahl der Monate, die einem Mayajahr entsprechen. Die Plattformen einer einzigen Seite ergeben die Zahl 18 (18 Monate hat ein Mayajahr).
18 x 20 = 360, zuzüglich 1 Monat mit 5 Tagen ergibt 365 Tage.
AbstiegJedes Jahr am 21. März und am 21. September kann man ein erstaunliches Phänomen der Sonnenwende beobachten. Denn dann wirft die Sonne auf die Treppen einen Schatten, der durch die neun Terrassen verursacht wird, so dass es den Anschein hat, dass Kukulkan auf die Erde herabsteigt. Der am Fuß der Pyramide befindliche Kopf der gefiederten Schlange Quetzalcóatl (= Kukulkan) intensiviert die Symbolik.

Blick von Pyramide auf BallspielplatzDie 91 Stufen lassen sich bequem, trotz 45° Neigungswinkel, erklimmen und von dort oben ist der Ausblick auf den "Ballspielplatz" oder auf die "Halle der Tausend Säulen" erstklassig. Der Abstieg gestaltet sich so ähnlich wie in Cobá. Man muss eben Acht geben, wohin man tritt. Später erfuhren wir, dass eine Teilnehmerin einer anderen Reisegruppe das Gleichgewicht verlor, die Stufen hinunter stürzte und zusätzlich ihren Mann mit in die Tiefe riss. Mit schweren Verletzungen wurden beide ins Krankenhaus gebracht. Hoffen wir mal, dass es am Ende gut ausgegangen ist.


Ballspielplatz Der Ballspielplatz hat eine Fläche von 146 m x 36 m. Wie die Spieler eine Kautschukkugel durch einen verzierten Steinring hindurch werfen sollten, der sich in einer Höhe von 7,25 m befand, grenzt an Unvorstellbarem. Werfen wäre vielleicht ja noch möglich gewesen, aber die Regeln von "Pok ta pok" besagen, dass die Kugel lediglich mit dem Ellenbogen, der Hüfte oder mit dem Oberschenkel gestoßen werden durfte und da schaut die Sache wieder etwas schwieriger aus.

Meistens endete für einen Spieler dieser Wettkampf blutig, denn er wurde den Göttern geopfert. Ob es sich hierbei um den Gewinner oder den Verlierer handelte, hängt ganz von der historischen Deutung ab.
Detailaufnahme TzompantliDie 95 m lange Mauer bildete eine Art Sitzreihe, die mit Opferungsszenen verziert sind.

TzompantliEinige Schritte von dem Ballspielplatz entfernt befindet sich die Totenkopfmauer, welche auch unter dem Namen "Tzompantli" bekannt ist. Sie diente dazu, die aufgespießten Köpfe von Feinden zur Schau zu stellen. Im Inneren fanden Archäologen Chac Mol-Figuren und Schädel. Insgesamt dekorieren mehr als 500 Totenköpfe die äußere Seite.

Halle der Tausen SäulenLeider fehlte uns die Zeit, um die "Halle der Tausen Säulen" näher zu beäugen. Ungeklärt ist jedenfalls, ob die Anlage als Markthalle oder Versammlungsort verwendet wurde.

SäulenAuf dem riesigen Areal gab es so viel zu entdecken, sodass zwei Stunden dafür längst nicht ausreichten. Täglich von 08:00 bis 17:00 Uhr ist die archäologische Stätte geöffnet und das sollte man nutzen.



 
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