Weiterflug nach Alice Springs ins Rote Zentrum des Staates Northern Territory

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7. Tag: Alice Springs (Northern Territory)

Sonntag, 19. September 2010 | Flug Melbourne - Alice Springs (1.858 km)

Scheinbar hatte unser „Wake-Up-Girl“ selbst verschlafen, denn sie sollte uns ursprünglich um 5:30 Uhr wecken. Das Telefon rappelte jedoch erst um 5:45 Uhr. Das sind genau die 15 Minuten, die uns am Ende zum Frühstück in Ruhe fehlten. Da uns Eleonore, Thomas und Mark beim Frühstück vermissten und annahmen, wir hätten gegebenenfalls verschlafen, liesen sie es bei uns im Zimmer netterweise noch einmal anklingeln, um sicher zu gehen, dass wir auch nicht verschlafen.

JuliaUm 6:50 Uhr war Abfahrt zum Flughafen, den wir genau 22 Minuten später erreichten. Nun hieß es nach einer Weile Abschied nehmen - bei Sonnenschein - von Julia, die ihren Job wirklich mit Hingabe gemacht hat und uns in der kurzen Zeit, die wir miteinander verbringen durften, ihre neue Heimat Melbourne näher brachte. Julia kommt ursprünglich aus dem Ruhrpott und lebt bereits seit 27 Jahren in Melbourne. Wer Julia als Privatguide für Melbourne, Phillip Island oder Great Ocean Road engagieren möchte, kann sich gerne an uns wenden - wir vermitteln dann gerne den Kontakt.

Alice Springs aus der VogelperspektiveUm 8:25 Uhr war Boarding, um 9:00 Uhr bewegte sich unser Flugzeug gen Startbahn und um 9:06 Uhr hoben wir Richtung Alice Springs ab. Nach einem gut zweistündigen Flug landeten wir um 11 Uhr im bekanntesten Ort des Outbacks: Alice Springs, dem roten Zentrum von Australien. Schon während des Landeanfluges hatten wir das erste Mal so richtig das Gefühl, dass wir JETZT in Australien, so wie wir uns Australien immer vorgestellt haben, sind - weitläufig ohne Ende.

AboriginiUrlauber können in Alice Springs (28.000 Einwohner) verschiedene Freizeiteinrichtungen besuchen oder Aktivitäten unternehmen, wie z. B. mit einem Quad fahren, eine Fahrt in einem Heißluftballon unternehmen oder sie können sich mit der einheimischen Aborigine-Kultur näher befassen und einen Ausflug zu den vielen Nationalparks in der Region unternehmen. Auf die Einwohnerzahl runtergebrochen ist der Aborigine-Anteil sehr hoch, sodass es nicht auszuschließen ist, einem echten Aborigine über den Weg zu laufen. Die Aborigines und deren Kultur, die sich in jedem Stein und in jedem Fleckchen Land findet, ist hier in Alice Springs und insbesondere beim Ayers Rock allgegenwärtig und es gibt so viele Möglichkeiten, die Kultur der Aborigines zu erlernen und zu verstehen. Man muss sich nur die Zeit dafür nehmen ...

Alice SpringsKühles Wetter in Alice Springs - untypisch für diese Jahreszeit

Cella, unsere neue Reiseleiterin (für einen Tag), begrüßte uns unserer Meinung nach etwas kühl - gleichermaßen wie das Wetter aktuell in Alice Springs war - bereits bei der Gepäckausgabe. Nachdem alle Koffer im Bus, der dieses Mal um einiges komfortabler war, verstaut waren, setzten wir uns mit ihr und Busfahrer Adam in Gang auf dem Stuart Highway Richtung City von Alice Springs.
Todd RiverDa es die Tage zuvor sehr oft und viel regnete, war von dem Roten Zentrum nicht viel zu sehen. Stattdessen war es vielmehr das Grüne Zentrum. Was sehr selten vorkommt und wir uns darüber glücklich schätzen dürfen, ist, dass der Todd River auch tatsächlich als Fluss zu erkennen war. Für gewöhnlich führt er wegen der großen Hitze kein Wasser.

Die McDonnell Ranges erstreckten sich majestetisch vor uns und so langsam erreichten wir Alice, wie die Australier zu sagen pflegen.

Fußgängerzone von Alice SpringsCella gab uns den Tipp, wenn wir uns mit Souvenirs eindecken wollen, dann sollten wir es hier in Alice Springs tun. Die Preise steigen nämlich, je näher man dem Uluru kommt. Vom allseits beliebten Touristenzuschlag wird eben auch beim Ayers Rock kein Halt gemacht. Zu unserem Glück war heute Wochenmarkt und einige Geschäfte hatten ihre Türen geöffnet, was für einen Sonntag nicht selbstverständlich ist. Auch die Sonne meinte es dann mal gut mit uns. Neben einem Hot Dog schlugen wir auch beim Souvenir-Shop zu und kauften einen sehr schönen Boomerang mit typischer Aborigine-Bemalung. Wie immer reichte die vorgegebene Zeit fürs Schauen und Bummeln nicht aus.

Cella erklärt uns die Umgebung - Anzac HillAnzac HillDa noch die „School of the Air“ und die „Royal Flying Doctor Station“ auf dem Plan standen, trafen wir uns alle um 13 Uhr wieder und fuhren zum Anzac Hill, der auf dem Weg zur School und DocStation lag. Vom Anzac Hill hatten wir einen sehr schönen Fernblick auf die Gebirgskette der McDonnell Ranges und auf die Größe von Alice Springs. Cella lieferte die entsprechenden Erklärungen, wo was liegt usw.

School of the AirAnschließend fuhren wir zur „School of the Air“, wo uns anhand eines 10-minütigen Videobeitrages und anschließenden Erläuterungen einer Mitarbeiterin die Unterrichtsmethode vorgestellt wurde, wie selbst Kinder in den entferntesten Gebieten im Outback unterrichtet werden. In dem Showroom wird anhand von Fotos dargestellt, mit welchen primitiven Methoden früher dafür Sorge getragen wurde, Bildung über eine Distanz von zig Kilometern den Kindern zuteil werden zu lassen und welche Methoden im Zeitalter moderner Telekommunikation heute eingesetzt werden.

School of the Air alte GerätschaftenWas früher lediglich per Funk möglich war, wird heute per Videochat mit dem Lehrer (vergleichbar mit skypen) in Kombination mit einem Tudor - sprich Hilfslehrer - (können z. B. die Eltern sein) erledigt. Damit das Klassenzimmer nicht nur virtuell praktiziert wird, wird den im Outback lebenden Schülern alle zwei Wochen Unterrichtsmaterial zugeschickt, welches dann wiederum ausgefüllt zur Kontrolle an die Lehrkräfte zurückgesendet wird. Das Prinzip der School of the Air funktioniert seit rund 50 Jahren optimal, sodass selbst bei pisaähnlichen Studien die Kinder gleichermaßen gut abschneiden wie Kinder, die in eine reguläre Schule gehen. Da wir die School an einem Sonntag besuchten, fand natürlich an diesem Tag kein Unterricht statt. Rund 30 Minuten nahm der Ausflug in Anspruch.

Royal Flying Doctor StationAls letzte Attraktion stand die „Royal Flying Doctor Station“ auf unserer Liste. Wobei das Wort Attraktion maßlos übertrieben ist. Wenn hier die Rede von „Flying“ ist, dann sollte auch „Flying“ gezeigt werden, anhand eines realen Flugzeuges (mit moderner Technik von heute) oder von uns aus auch anhand eines ausrangierten Fliegers (wie er zu den Anfängen eingesetzt wurde) auf dem angrenzenden Areal oder am Flughafen, der eigentlichen "Flying Station". Den ebenfalls 10-minütigen englischsprachigen Demonstrationsfilm mit deutschem Untertitel könnte man sich bei Interesse auch im Web anschauen. Und dass noch nicht einmal ein Flying Doctor oder sonst ein Crew-Mitglied anwesend war, grenzt an, um es einmal sehr deutlich zu formulieren, Touristenverarsche. Da kann ein Minimuseum auch nichts mehr wett machen.

Keiner daAllein die Abfolge bzw. räumliche Aufteilung war zu offensichtlich, um die Tourist-Cash-Cow zu melken. Durch den Haupteingang rein => abgedunkelter Saal, in dem die Demo-DVD läuft => vorm Glaskasten sitzen, um Einsatzpläne und Landkarten anzusehen (Erläuterungen kamen von Cella, da kein einziger Angestellter anwesend war) => an einer mega-großen Spendenbox vorbei => rein ins Minimuseum, in dem alte Gerätschaften zum Funken und medizinisches Equipment ausgestellt waren => durch das Restaurant => um letztendlich im Shop noch irgendwas an Royal Flying Doctor Station-Souvenir anzubieten => und dann endlich wieder durch den Ausgang in Freiheit zu gelangen.

Ausstellungsstück im Museum der Royal Flying Doctor StationGanz ehrlich: Für uns persönlich war der Besuch der Royal Flying Doctor Station (na ja, es war eher die Administration der Royal Flying Doctors) reine Zeitverschwendung, weil einfach nichts geboten wurde, was einen Eintritt von auch nur 7,- AUD rechtfertigen würde.
Wir möchten betonen, dass wir nicht die erstklassige medizinische Versorgung oder Leistung, die ein Royal Flying Doctor jedem im Outback Lebenden zukommen lässt, berurteilen. Das Prinzip zollt unserem höchsten Respekt. Uns geht es um die Art und Weise, wie uns dieser Besuch der Station angeboten und schließlich verkauft wurde; unsere Erwartungen wurden nicht erfüllt. Ein Bericht über die Royal Flying Doctor Station im TV kann durchaus interessanter sein als ein Besuch vor Ort (zumindest an einem Sonntag).

LuxusschlittenKurz vor 15 Uhr erreichten wir unser Hotel All Seasons Alice Springs, welches sicherlich nicht zu unseren favorisierten Hotels gehörte. Doch darüber wussten wir im Vorfeld Bescheid und wir legten den italienischen Blick auf. Doch als wir sahen, dass unsere Koffer erstens im Freien und zweitens unbeaufsichtigt vor der Rezeption standen, obwohl das Wetter alles andere als freundlich-beständig war (einige Straßen in Alice Springs wurden erst am Morgen wegen vorheriger Überschwemmung wieder freigegeben und es hat ab und zu sporadisch geregnet), verschlug es uns fast die Sprache. Wie zu erwarten, waren die obersten Koffer nass und das nicht nur von außen. Großartig, Alexanders Koffer war mit von der Partie, die ordentlich was abbekommen haben und nun verbrachten wir eineinhalb Stunden damit, einige zum Teil feuchten Klamotten wieder trocken zu föhnen.

Schreib' mal wiederNach unserer Föhnaktion erkundeten wir ein wenig die Umgebung und knipsten einige Fotos am Todd River. Als wir so zu Gange waren, kamen uns die Worte von Cella in den Sinn, die während der Fahrt erzählte, dass, wenn man dreimal den Todd River fließen sieht, man einheimisch ist. Na gut, dann müssen wir ihn nur noch zweimal fließen sehen.

Overlanders SteakhouseAm Abend waren wir gemeinsam mit Eleonore, Thomas und Mark um 17:30 Uhr im Overlanders Steakhouse in Alice Springs dinieren. Ein sehr uriges Lokal mit Kamin, leckerem Essen und moderaten Preisen. Das Restaurant ist sehr beliebt, weshalb eine Tischreservierung von Vorteil ist. Wer mag, kann hier sogar ein 2 kg Steak verdrücken.

Bo’s SaloonAnschließend gab's noch einen Absacker im Bo’s Saloon. Total abgefahrene Kneipe direkt an der Gap Road. Die Deko ist sensationell, alles ein wenig auf Rock-, Gothik- und Westernstyle gemacht. Neben Bärenfallen und ausrangierten Tanksäulen gibt es einen Schaukasten, in dem ein heißer Shopper aufgestellt ist, auf dem ein Meat Loaf Skelett posiert.
Wenn ihr da reingehen solltet, müsst ihr unbedingt die Toiletten aufsuchen. Spätestens beim Händewaschen fragt ihr euch, ob irgendwo die versteckte Kamera aufgebaut ist. Dreht man nämlich den Wasserhahn auf, kommt aus dem Wasserhahn drei Waschbecken weiter das Wasser raus - völlig crazy! :-)

Es war ein schöner, kommunikativer Abend, der irgendwann gegen 22 Uhr endete. Um 2 Uhr in der Nacht war dann auch Schluss mit der Nachtruhe. Erst dachten wir, dass irgend so ein Spinner meint, vor unserer Terrassentüre sitzen zu müssen und ununterbrochen ein und dasselbe Lied zu pfeifen. Doch es war keine Menschenseele draußen zu sehen. Bis sich dann herausstellte, dass es kein Betrunkener oder Liebesdoller war, sondern ein Wabner-Vogel, der unentwegt seine Melodie trällerte. Also, kleiner Piepmatz, sei vorgewarnt! Beim nächsten Mal kommt unser Boomerang geflogen!

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