Ganztägiger Ausflug entlang der Great Ocean Road

E-Mail Drucken

5. Tag: Great Ocean Road

Freitag, 17. September 2010 | Besuch der 12 Apostel, Loch Ard Gorge und London Bridge (578 km)

Great Ocean RoadDas Programm des heutigen Tages hat sich sehr vielversprechend angehört. Wir fuhren entlang der Great Ocean Road, welche die spektakulärste Küstenstraße ganz Australiens sein soll. Für so eine Tour war das Wetter okay. Wir hatten um die 12 Grad, es war wolkig aber zum Teil blinzte die Sonne durch. Hauptsache kein Regen!

Wie am Tag zuvor holte uns Julia diesen Morgen mit einem neuen Busfahrer, Philip, um 8 Uhr ab. Bereits kurze Zeit später befanden wir uns auf der West Gate Bridge, die mit ihren 2,5 km die längste Brücke Melbournes ist. Sie ist die einzige Brücke, die in den Westen führt und scheinbar unter einem schlechten Stern erbaut wurde. Wegen Einsparungsmaßnahmen wurde die West Gate Bridge mit mangelhaftem Material erbaut, was zur Folge hatte, dass ein großer Teil während der Bauarbeiten einstürzte und 35 Arbeiter ums Leben kamen. Nach Fertigstellung war die Brücke ein Magnet für Suizidgefährdete. Tragischer Höhepunkt war jedoch, als ein Vater sein eigenes Kind einfach über die Brüstung warf, was große Aufruhr in der Bevölkerung hervorrief. Aufgrund dessen errichtete die Stadt Melbourne als Gegenmaßnahme einen längst überfälligen, hohen Zaun entlang der Brücke.

Kängurus Vorbei an Rapsfeldern und neu erschlossenen Wohngebieten fuhren wir weiter in Richtung Lorne. Unser erster Stopp des Tages erfolgte um 9:36 Uhr in Anglesea. Anglesea ist ein verträumtes 2000 Seelendorf. Wir hatten eine halbe Stunde Zeit, um uns die Beine zu vertreten oder einen Kaffee zu trinken. Kleinere Geschäfte boten sich zum Shoppen für den Souvenirschrank an. Weiter ging es zum Anglesea-Golfplatz. Was des einen Freud ist des anderen Leid. So leidet der Anglesea-Golfplatz zum Beispiel an einer freilebenden Gruppe Kängurus. Es muss sicherlich störend sein, wenn man gerade am Putten ist und so ein Beutel-Hoppler den Ball wieder aus dem Loch fischt. Leider waren die Kängurus ziemlich weit weg und da wir dachten, dass wir an diesem Tag unser Teleobjektiv nicht brauchen, haben wir es im Hotel gelassen. Mist, die erste Begegnung mit Kängurus und dann das!

Schön links fahren10:45 Uhr - aufkommender Wind hinter Fairhaven - die Frisur sitzt. 

Wir fuhren entlang der Küstenstraße B100. Vom Bus aus sahen wir, wie die Brandung an die felsige Küste rauschte und die Wellen immer höher wurden. Das ideale Wetter für Windsurfer, die wie kleine Robben in der Ferne aussahen. Auf Wunsch einiger Mitreisende hielten wir kurz für eine Foto-Session bei Fairhaven an, um die Surfer auf dem Speicherchip zu verewigen.

KoalaPapageiEinen Stopp außerhalb der Reihe machten wir auch um 11:50 Uhr auf einem Campingplatz in Kennett River. Da es hier in der Region sehr viele Eukalyptusbäume gibt, ist es durchaus möglich, freilebende Koalas zu sehen. Wir hatten Glück und entdeckten zwei von den putzigen Genossen hoch in den Baumwipfeln. Wie kleine, graue, eingerollte, kaum wahrnehmbare Wollmäuse sahen sie aus - total süß.  Etwas auffälliger waren hingegen die Papageie mit ihrem prächtigen rot-blauen Gefieder und die Kakadus.

Julia verstand es, zu angemessener Zeit Infos zu geben. So klärte sie uns zum Beispiel auf, dass ein Koala ein Leben lang nur die Eukalyptusblätter frisst, die er von seiner Mommy gezeigt bekommen hat. Obwohl es noch zig andere Eukalyptusarten gibt, würde ein Koala glatt verhungern, weil er nicht weiß, dass er diese andere Sorte Eukalyptus auch fressen kann. Ab sofort heißt es nicht mehr: “Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht!“, sondern "Was der Koala nicht kennt, frisst er nicht!“. Ziemlich wählerisch so ein kleiner Koala! Er mag nur frischen Eukalyptus, den er selbst vom Ast pflücken kann. Wenn man ihm eine Schüssel mit Eukalyptusblättern anbieten würde, rührt er diese nicht an. Darüber hinaus ist so ein Koala ein Hochleistungs-Chiller par excellence. Von 24 Stunden am Tag schläft er 20 und die übrigen vier werden gefressen - was für ein Leben ... ;-)

Hotel und Restaurant Apollo Bay paniertes Hühnchen mit Pommes panierter Fisch mit Chips

Apropos Essen: Um 12:28 Uhr kehrten wir in Apollo Bay im gleichnamigen Hotel und Restaurant ein und aßen zu Mittag. Zur Auswahl standen Rinderbraten mit Kartoffeln, panierter Fisch mit Chips und paniertes Hühnchen ebenfalls mit Pommes als Beilage. Die jeweilige Portion war riesig und reichte uns locker für den Rest des Tages.

12 Apostel (Twelve Apostles)HelikoptorGegen 15:00 Uhr erreichten wir hinter dem Ort Princetown die Felsformation der 12 Apostel (Twelve Apostles). Hier herrschte - wie man in Norddeutschland so schön sagt - eine steife Brise und wir waren ziemlich froh, uns halbwegs warme und windgeschützte Outdoor-Klamotten mitgenommen zu haben. Normalerweise tobt die Brandung nicht so, doch während unseres Besuches war sie außergewöhnlich heftig. Die Twelve Apostles hießen früher einmal "The sow and her piglets" ("Die Sau und ihre Ferkel"), doch marketing-technisch zog der Name nicht wirklich. Seitdem man sie in Twelve Apostles umbenannt hat, sind sie ein Publikumsmagnet im Port Campbell National Park. Wer genau nachzählt erkennt sofort, dass es keine 12 Felsen mehr sind, die aus dem Wasser ragen. Durch Witterungseinflüsse sind bereits mehrere Felsen eingestürzt, sodass tatsächlich nur noch 8 Felsen übrig sind.

Wer mag kann hier bei den Twelve Apostles an einem Helikopterflug teilnehmen. Die Preise richten sich nach Flugdauer und fangen bei 100,- Dollar für einen 7-minütigen Flug an.

Weg zu den Schluchten Loch Ard Gorge Aufwirbelnde Gischt

Um 16:00 Uhr ging es weiter zur "Loch Ard Gorge", eine Schlucht. Hier führen drei verschiedene Wege zu unterschiedlichen Aussichtspunkten. Der eine Weg führt direkt zur Spitze der steilen Küste mit dem netten Namen "The Wreck“, an der das Schiff der einzigen Überlebenden, Eva Carmichael und Tom Pearce, zerschellte und unterging. Ein weiterer Weg führt direkt zur Felshöhle namens "Two Survivors“, in der Eva Carmichael und Tom Pearce Schutz suchten. Und der dritte Weg führt zum "The Razorback“.
Die Geschichte von Eva und Tom ist schnell erzählt. Sie, eine feine irische Lady, und er, ein einfacher Schiffsboy; Tom rettet Eva vorm Ertrinken und verliebt sich unsterblich in sie, doch Eva hat kein Interesse an Tom und lehnt sogar einen öffentlichen Heiratsantrag ab. Später ist sie wieder zurück nach Irland gekehrt und Tom wurde Kapitän eines Schiffes, welches nach einiger Zeit in Seenot geriet und er dabei ums Leben kam. Ein Happy End hat die Geschichte leider nicht.

The Wreck Two Survivors The Razorback

Julia berichtete uns, dass sie noch nie solch einen Wellengang erlebt habe und war davon total begeistert. Die Wassermassen wurden mit einer unvorstellbaren Wucht gegen die Steilküste geschmettert, dass sogar die Gischt wie Schneeflocken aufgewirbelt wurde.

London BridgeEtwa zehn Autominuten von der Loch Ard Gorge entfernt statteten wir der "London Bridge“ einen Fotostopp ab. Bis zum Abend des 15. Januar 1990 sah die Felsformation wirklich wie eine Brücke aus. Doch aus heiterem Himmel zerbrach das Mittelstück und zerberstete im Meer. Verletzt wurde niemand, nur ein Pärchen wird diesen Tag wohl nie wieder vergessen. Die beiden - Männlein und Weiblein - befanden sich nämlich zu diesem Zeitpunkt am anderen Ende des Felsens, also sozusagen auf der Seite der Brücke, die vom Land abgeschnitten war, und harrte nach dem Einsturz so lange aus, bis sie mit einem Helikopter gerettet wurden. Zu dumm nur für die beiden, dass die Presse davon Wind bekommen hatte und sie in den Medien erschienen, denn beide waren verheiratet - allerdings nicht miteinander …
Was lernen wir daraus? -> Drum prüfe wann du dich worauf befindest, bevor du dich mit jemand bindest! ;o)

The Grotto"The Grotto", unser letzter Halt des Tages, erreichten wir um 17:20 Uhr. Dieser Halt war wieder außerplanmäßig, da wir super-gut in der Zeit lagen. Auch hier hatten wir einen phantastischen Blick auf die tosende Flut und die aufwirbelnde Gischt.

Auf der Rückfahrt zu unserem Hotel in Melbourne konnten wir uns im Bus - wie passend - den Kultfilm "Crocodile Dundee" ansehen. Einige von uns waren von den vielen Eindrücken des Tages so erschöpft, dass sie bereits auf dem 2,5-stündigen Rückweg Augenpflege betrieben.

Kurz zwei Takte zu unserem Minibus, mit dem wir die Touren unternommen haben. Wir sind der Meinung, dass der Minibus für eine mehrstündige Tagestour nicht ganz so optimal war. Einerseits sind die Rückenlehnen nicht einstellbar und andererseits ist die Beinfreiheit sehr begrenzt gewesen. Knapp 20 Zentimeter waren es lediglich bis zum Vordersitz, sodass man nach einer gewissen Zeit gar nicht mehr wusste, wohin mit seinen Beinen. Daher waren wir froh, dass wir nach so einer langen Tour (578 km) um 20:40 Uhr unser Hotel erreichten.

nächstes Ziel

 
Copyright © 2012 Melanie und Alexander - hatetepe.de