Per Allradbus über die größte Sandinsel der Welt - Fraser Island

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16. Tag: Fraser Island

Dienstag, 28. September 2010 | Fraser Island

7:15 Uhr - Endlich mal wieder ein gescheites Frühstück! Schon allein deshalb hat das Kingfisher Bay Resort Fraser Island ein Stein bei uns im Brett.

Es war ein schwül-warmer Morgen, etwas bewölkt und sicherlich um die 25 Grad; ein fast perfektes Wetter, um die größte Sandinsel der Welt inkl. Regenwald zu erkunden. Fraser Island gehört zum australischen Bundesstaat Queensland. In der Sprache der Aborigines heißt Fraser Island "K'gari" - "Paradies". Wir waren gespannt darauf, was uns im "Paradies" erwarten würde.

Um 8:30 Uhr stürzte sich unsere deutsche Delegation unter fürsorglicher Betreuung von Waltraud in den 4-Rad-Antrieb-Bus des Kooperartionspartners „Fraser Explorer Tours“ mit der Nummer 13, der uns zugewiesen wurde. Der Bus war schön groß, mit Beinfreiheit und freier Sicht durch die Frontscheibe. Wir hatten einen perfekten Platz in der ersten Reihe, allerdings war unsere Gruppe auf dieser Tour nicht alleine. Wir wurden von weiteren Touristen "begleitet" und aufgrund unterschiedlicher Nationalität wurde die gesamte Tour in englischer Sprache gehalten - was völlig okay war. Zu blöd war nur, dass ein jüngerer Ranger namens Gerald in unseren Bus kam und meinte, wir müssen alle den Bus wechseln und in den Bus mit der Nummer 11 einsteigen, der ihm zugeteilt wurde und wir seine Fahrgäste sind. Super ... Nichts gegen Gerald an sich, nur die besten Plätze waren in diesem Bus natürlich schon belegt und wir, die Umsteiger, mussten mit den hinteren Plätzen nun vorlieb nehmen. Was ist das für eine Organisation? Leider war auch die Beinfreiheit in diesem Allradbus nicht mehr so großzügig wie im ersten Allradbus und der Blick nach vorne war, aufgrund der Innenverkleidung, eher bescheiden.

Panorama Lake McKenzie

Für die insgesamt 165.000 Hektar große Insel, deren Landmasse ausschließlich aus Sand besteht, hätten wir locker fünf bis sechs Tage benötigt, um halbwegs alles in Ruhe gesehen zu haben, doch uns blieb auf Fraser Island nur dieser einzige Tag für eine Insel-Erkundung.

Bei diesem Turn war es gesünder sich anzuschnallen, denn das Gelände, das wir durchfuhren, war sehr holprig und man wurde ordentlich durchgerüttelt in dem Allradbus. Wer Schwierigkeiten mit Rücken bzw. Bandscheibe hat, der sollte sich ein kleines Kissen mitnehmen, um die zum Teil heftigen Stöße etwas abzufedern. Dieser Tipp kam von Waltraud, den einige aus unserer Gruppe dankend angenommen haben.

Allradbus Piste Fraser Island Ranger Gerald Pilz

Unser erster Halt an diesem Tag war um 9:15 Uhr beim Lake McKenzie.
Sobald wir Strand und Wasser sehen, sind wir ja nicht mehr zu halten. Also zogen wir rasch unsere Shirts und Shorts aus - Badesachen hatten wir bereits darunter an - und sprangen in den glasklaren See, der ausschließlich aus Regenwasser besteht. Mit seinen 16 Grad war der Lake McKenzie zwar etwas frisch, aber wir hatten so selten Gelegenheit, während unserer Australien-Rundreise unsere Badesachen zum Einsatz zu bringen, sodass uns die „nur“ 16 Grad gleichgültig waren. Der Lake McKenzie ist der schönste Frischwasser-See auf Fraser Island. Dank des quarzhaltigen, hell-weißen, weichen Sandes in Kombination mit dem See, wirkt der Lake McKenzie quasi wie ein überdimensionaler Jungbrunnen. Nicht nur die Haut wird nach einem Bad weich wie ein Kinderpopo, sondern auch Schmuck erstrahlt nach einem Peeling im neuen Glanze. Am liebsten wären wir hier aufgrund der tollen Kulisse noch eine Weile geblieben, doch nach einer dreiviertel Stunde mussten wir wieder einpacken und zum nächsten Punkt düsen, der Central Station.

Da die gesamte Tour ausschließlich von unserem Ranger Gerald auf Englisch geführt wurde, musste sich Waltraud regelrecht auf die Zunge beißen, da auch sie uns gerne mit Infos über die Insel während der Fahrt versorgen wollte. Sie konnte aber Gerald nicht so einfach das Mikro aus der Hand reißen, was ja auch verständlich ist, da es unfair gegenüber den anderen Nationen im Bus gewesen wäre. Nichtsdestotrotz liefen wir mit Waltraud alleine den Parcours des "Wanggoolba Creek" durch den subtropischen Regenwald - Ausgangspunkt war Central Station.

Regenwald Würgefeigen Alge im Bachlauf Geweihfarn Würgefeige

Bevor wir richtig in dem Grün des Regenwaldes verschwanden, sprühten wir uns noch einmal richtig mit Insektenspray ein. Schließlich wollten wir nicht als Leckerlies für Mücken oder Ähnliches enden.

Weg durch den RegenwaldWie es sich für einen Regenwald gehört, fing es auch prompt beim Start unserer 40-minütigen Tour ein wenig zu tröpfeln an. Ohne Grund ist hier auch nicht alles so schön grün und die Luft so feucht. Es gibt halt auf Fraser Island zweierlei Sonnenschein: den normalen Sonnenschein und den "liquid sunshine", wie Waltraud so schön zu sagen pflegte. 

Waltraud kam aus dem Erklären der vielen Pflanzen-, Baum- und Tierarten gar nicht mehr heraus. Voller Begeisterung erklärte sie uns, was es z. B. mit dem Geweihfarn auf sich hat, dass dieser keine Schmarotzerpflanze sei usw. Ferner klärte sie uns über die Würgefeige auf, dass diese Pflanze mit einem einzigen Samenkorn ihr böses Treiben beginnt, welcher im Kot eines Vogels auf den Baum abgeworfen wurde. Über 100 Jahre dauert es, bis solch eine Würgefeige einen ganzen Baum „erwürgt“ hat. Schließlich kamen wir zu einer prächtigen Ansammlung von Urzeitfarnen (Angiopteris Fern), wovon einer sogar über 4 m hoch war.

Pile Valley 500 Jahre alter Satiney Baum Loch einer Trichterspinne (Traptor Spider) Farn

Einen großen Bogen machten wir um das Loch der Traptor Spider oder auch Trichterspinne genannt. Die Trichterspinne ist eine von mehr als 300 Tierarten, die es auf Fraser Island gibt, und mit die giftigste Spinne in ganz Australien.

Der "Wanggoolba Creek" durch den Regenwald ist ab Central Station als Rund-Parcours auf Holzpanelen angelegt. Zum einen soll die Natur, die seit 1992 zum UNESCO Weltkulturerbe zählt, auf diese Weise geschützt werden und zum anderen haben Touristen dadurch die Möglichkeit, sich das faszinierende Ökosystem dieses Regenwaldes auf Fraser Island anzusehen.

Pile Valley

Perfekt getimed kamen wir um 11:25 Uhr wieder beim Bus an und fuhren sogleich weiter nach Pile Valley. In Pile Valley gibt es ebenfalls dichtes Buschwerk, Palmen, Farne etc. Doch die Hauptattraktion hier ist ein mega dicker, 500 Jahre alter Satiney Baum. Der Stamm dieses Baumes ist so breit, dass man aneinander gereiht sieben Personen braucht, um einen Kreis um ihn herum zu bilden.

Um 12:15 Uhr legten wir im Eurong Beach Resort an der Ostseite von Fraser Island einen einstündigen Lunch-Break ein. Übrigens, Fraser Island ist durchschnittlich 15 km breit und von Nord nach Süd sind es 123 km. Vom Eurong Beach Resort fuhren wir auf dem "75 Miles Beach Highway" entlang des Pazifiks in Richtung Norden nach Eli Creek.

Eurong Beach Resort Regenwald Blue Face Honey Eater Regenwald Fraser Island

In Eli Creek hatten wir für eine halbe Stunde Gelegenheit, in einem kleinen Flusszulauf zu schwimmen oder einfach nur die Beine ins Wasser zu halten - Kneipp lässt grüßen. Wir beide machten allerdings einen kleinen Spaziergang entlang des Strands bzw. des Beach Highways. Bei Ebbe ist der Strand an der Ostseite von Fraser Island nicht einfach nur Strand sondern er ist dann der Fraser Island Beach Highway, auf dem Fahrzeuge mit max. 80 km/h an einem vorbeibrettern dürfen. Daher sollte man hier auch immer ein wachsames Auge haben, da auf dem Sand bzw. durch das Brausen des Meeres man die Motoren nur schwierig hört, was die Angelegenheit als nicht ganz ungefährlich darstellt. Als Nachmittags-Snack wurden Muffins und Kekse gereicht.

Der Beach wird bei Ebbe nicht nur als Autobahn benutzt sondern auch als Start- und Landebahn für Kleinflugzeuge. Wer sich Fraser Island gerne von der Vogelperspektive aus ansehen möchte, der kann dies hier tun. Für 70,- AUD ist der 20-minütige Flug sogar noch ein richtiges Schnäppchen, was sich wohl auch drei Personen aus unserer Gruppe gedacht haben und abgehoben sind.

Maheno Schiffswrack Pinnacles Strand von Fraser Island Eli Creek Flusszulauf

Während sich die drei Flieger die Insel von oben ansahen, fuhren wir anderen für einen Foto-Stopp zu den Pinnacles (Coloured Sands). Wir hatten zehn Minuten Zeit, um die Sandformation zu beäugen, welche ca. 36 verschiedene Farbnuancen - von ocker bis dunkelbraun -  vorweist. Die Flieger landeten wieder hier bei den Pinnacles. Sie waren total begeistert, da sie z. B. einen Hai beobachten konnten, der einen Vogel aus dem Wasser verjagt hat. Selbst der Pilot war ganz hin und weg, da er so etwas zuvor nie gesehen hatte.

Nachdem alle wieder im Bus ihren Platz eingenommen hatten, fuhren wir am Strand wenige Kilometer zurück zum Maheno Schiffswrack. 1935 lief die Maheno an dieser Stelle auf Grund. Das Wrack rostet munter vor sich hin und verfällt wöchentlich immer mehr. Aus diesem Grund ist ein Warnschild aufgestellt, da hohe Einsturzgefahr besteht. Allerdings hatte sich an die drei Meter Mindestabstand zum Wrack kein Besucher gehalten.

Um 15:10 Uhr ging es wieder weiter auf dem Beach Highway direkt am Meer entlang in Richtung Süden. In der Ferne sahen wir Wale aus dem Wasser steigen und ein erfreuliches Raunen ging durch den Bus. Um Fraser Island herum finden z. B. Delfine, Wale und Schildkröten gerne ihre Heimat.

Allradfahrzeug auf dem Beach HighwayRundflug über Fraser Island mit einem KleinflugzeugNach einigen Kilometern verließen wir den Beach Highway und fuhren wieder durch das holprige Landesinnere zurück zu unserem Resort an der Westküste, das wir um 16:30 Uhr erreichten. Die Wolken zogen sich immer mehr zusammen und es fing an zu regnen.
Eigentlich hatte Waltraud geplant, mit Interessierten aus unserer Gruppe noch vor Sonnenuntergang ein paar Rochen zu beobachten und dann noch auf Nachtwanderung zu gehen. Doch die Sonne versteckte sich nach wie vor hinter dicken Regenwolken, sodass wir uns in unser Zimmer zurückzogen und uns einfach nur ausruhten.

In solchen Momenten - gegen Ende unserer Reise - machte sich immer mehr bemerkbar, dass Erholung in diesem Urlaub ganz klar zu kurz gekommen war. Allerdings haben wir vor Reiseantritt bereits gewusst, dass eine dreiwöchige Rundreise durch Australien kein Wellness sein wird - es gibt halt auch zu viel zu sehen in Down Under und die Distanzen von einem zum anderen Ort sind mitunter doch enorm.

Wir haben also nicht an der Nachtwanderung teilgenommen, obwohl es zwischenzeitlich aufhörte zu regnen. Wir hatten uns erst geduscht und wollten uns nicht schon wieder von oben bis unten mit Mückenspray einnebeln. Darüber hinaus waren unsere Klamotten aufgrund der schwülen Witterung so klamm geworden, dass es angenehmer war, in diese nicht mehr hineinschlüpfen zu müssen. Wenn unsere Reinigungskraft unsere zweite Zimmerkarte an diesem Tag hätte im „Hauptstromschlitz“ stecken lassen, so wäre die Klimaanlage nicht deaktiviert und - was wir damit auch vermeiden wollten - unsere Kleidung vermutlich auch nicht klamm geworden. Die Reinigungskraft scheint wohl auch nur ihrer Pflicht nachgekommen zu sein, um Energie zu sparen; immerhin ist Fraser Island ein Öko-Reservat und in einem Öko-Reservat lässt man ja auch nicht die Klimaanlage laufen, wenn keiner zu Hause ist. Völlig korrekt, aber ganz ehrlich: An diesem Abend war uns das relativ egal, denn nach Fraser Island endete unsere Reise nicht, sondern als nächstes Reiseziel hatten wir Brisbane und auch in Brisbane mussten wir noch ein paar brauchbare Klamotten aus unserem Koffer verwenden können.

Waltraud und ein Mitreisender erzählten uns später, was sie alles auf ihrer kleinen Nachttour gesehen haben. Unter anderem entdeckten sie eine sehr große Aga-Kröte, die sie jedoch von dannen ziehen lassen mussten. Später demonistrierte ein Ranger, wie angriffslustig eine Trichterspinne ist. Er nahm einen kleinen Stock, fuchtelte vor dem Loch der Trichterspinne etwas rum und blitzschnell kam sie dann aus ihrem Loch gesprungen, klammerte sich an den Stock, biss mehrmals zu, sodass anschließend ein Gifttropfen an dem Stock herunterperlte. Wir geben zu, das hätten wir schon gerne live gesehen, aber man kann halt leider nicht immer alles haben. Wie gesagt, wir liesen den Tag gemütlich ausklingen und lauschten erneut dem Gezwitschere, Gequarke und Gezirpe, welches uns umringte.


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