13. Tag: Sydney
Samstag, 25. September 2010 | Sydney pur
Auf dem Programm stand an diesem Tag nicht viel - nur: Sydney. Gesehen haben wir jedoch jede Menge!Ulrike und Rob holten uns mit dem Minibus um 9 Uhr vor unserem Hotel ab. Unsere Stadtrundfahrt durch und um Sydney herum startete mit strahlendem Sonnenschein! Also, Sonnenbrille auf und ab geht's durch Chinatown (ja, auch Sydney hat ein Chinatown im Angebot), vorbei am Entertainment Centre und via George Street - u. a. mit St. Andrew's Cathedral (größte anglikanische Kirche in Sydney) und Queen Victoria Building (Warenhaus) - weiter in Richtung Stadtteil „The Rocks“, wo wir unseren ersten Fotostopp direkt am Hafen mit Blick auf die 1932 eröffnete Harbour Bridge einlegten.
Die Harbour Bridge verbindet die Nord- mit der Südseite Sydneys. Die Brücke selbst ist knapp einen halben Kilometer (um genau zu sein 503 m) lang und 50 m breit. Nun ja, acht Fahrspuren, zwei Bahngleise, ein Rad- und ein Fußgängerweg nehmen halt so einiges an Platz in Anspruch.
Seit 1998 ist es sogar möglich, die Harbour Bridge zu besteigen. Beim so genannten „Bridge Climb“ handelt es sich um drei unterschiedliche Kletter-Touren, deren Preis zwischen 198 AUD und 298 AUD liegt. Mindestens zwei Stunden muss man für die kürzeste Tour einplanen und dreieinhalb Stunden für den längsten Climb. Den eigenen Fotoapparat darf man aus Sicherheitsgründen nicht mitnehmen. Wer den Brigde Climb machen möchte, sollte dies vor seiner Kneipentour tun, denn jeder Teilnehmer muss sich vor Erklimmen der Brücke einem Alkoholtest unterziehen. Sollte das Ergebnis über 0,05 % liegen, so ist an der Stelle Schluss.
Schade, eigentlich hatten wir dieses einmalige Erlebnis auf unserer Australien-Reise fest eingeplant. Allerdings konnten wir letztendlich bei unserem straffen Plan keine zwei/drei Stunden freischaufeln. Von dort oben muss man wohl einen super-tollen Ausblick auf Sydney haben.
Wir fuhren vorbei am Royal Botanical Gardens, Hyde Park, St. Mary's Cathedral und der Art Gallery of New South Wales. Besonders aufgefallen waren uns die im gesamten Stadtgebiet verteilten Skulpturen, die man mal mehr, mal weniger lustig-interessant "verkleidet" hatte. Wir finden, dass dies eine nette Art war, moderne Kunst zum Ausdruck zu bringen - was auch die Intension der Modern School of Art war, die die darauffolgenden Tage ein Festival ausrichtete und diese verkleideten Skulpturen Part dieses Festivals waren. Im „Yurong Precinct“ hatten wir den nächsten Fotostopp. Bevor wir allerdings dem wunderschönen Ausblick auf die Sydney Oper, die Harbour Bridge und die komplette Skyline Sydneys unsere Aufmerksamkeit schenkten, haben wir uns kurzweilig von dem Rest der Gruppe abgeseilt. Denn kurz vor dem Stopp sind uns vom Bus aus weiße freilebende Kakadus und eine Art Unzertrennliche Papageie am Wegesrand aufgefallen, die wir unbedingt fotografieren wollten. Nachdem die Bilder im Kasten waren, sind wir wieder direkt zum Aussichtspunkt gelaufen. Ein Geheimtipp ist dieser Aussichtspunkt leider nicht mehr, denn hier wimmelte es nur so von weiteren Touristen. Wir konnten dennoch ein gutes Plätzchen für uns gewinnen und den einen oder anderen Schnappschuss machen.
Spontan fragten wir eine junge Frau, die gerade ihren Sohnemann fotografierte, ob sie uns beide einmal vor der tollen Skyline mit unserer Kamera fotografieren würde - klar, macht sie gerne. Ganz theatralisch ging sie in die Hocke, kniff ein Auge zusammen und zählte in irgendeiner asiatischen Sprache rückwärts. Das Resultat: Unsere Beine sind halb abgeschnitten, der blaue Himmel füllt mehr als großzügig den oberen Bildrand, die Sydney Opera ist nur zur Hälfte zu sehen und die Harbour Bridge kommt extrem schief rüber. Genial, so etwas muss man ja auch erst einmal hinbekommen! Es hat sich wieder einmal bestätigt, dass nicht jeder, der eine gute Kamera um den Hals hängen hat, auch gut fotografieren kann!

In unmittelbarer Nähe steht der "Mrs Macquarie's Chair", dem wir auf dem Weg zurück zum Bus einen kurzen Besuch abstatteten. Die Geschichte um den ominösen Aussichtspunkt mit Blick zum Fort Denison und zum Pazifischen Ozean ist schnell erzählt. Mrs Elizabeth Macquarie war die Gattin des amtierenden Gouverneurs von New South Wales (1810 bis 1821), Major-General Lachlan Macquarie. Jeden Tag zur gleichen Zeit hielt sie an der selben Stelle Ausschau nach Schiffen, die sie aus der Heimat Großbritannien kommend erwartete. Damit es die Lady etwas bequemer hat und zu jeder Jahreszeit auf den Hafen von Sydney schauen konnte, veranlasste der Gouverneur eine Bank in den Sandstein zu schlagen und die Wege auszubauen, die bis in den königlichen botanischen Garten (Royal Botanical Gardens) führen. Der Royal Botanical Gardens befinden sich am Ende der Mrs Macquaries Road. So entstand der sagenumwobene Mrs Macquarie's Chair.
Mit reichlich Infos von Ulrike fuhren wir weiter in Richtung Woolloomooloo - nahezu unser kompletter Minibus übte sich in der Aussprache dieses Stadtteils [Wulumuluuu - eigentlich ganz einfach], durch den Stadtteil Potts Point, Kings Cross (Sydneys Rotlichtviertel) und weiter in Richtung Osten.
Kurze Info zum Rotlichtviertel: In den 60er Jahren hatten die Prostituierten in Kings Cross alle Hände voll zu tun, doch heute laufen die Geschäfte im horizontalen Gewerbe eher schlecht. Ganz verbannen möchte das Gouvernement diese Einnahmequelle jedoch nicht, da sie der Auffassung ist, dass jede Großstadt sein Rotlichtviertel haben sollte.
Es ging weiter durch den Stadtteil Darling Point, wo wir am ehemaligen Zuhause von Nicole Kidman vorbei fuhren und einen kurzen Blick auf die St. Mark's Church, in der vor etlichen Jahren einmal Elton John heiratete, geworfen haben. Weiter fuhren wir durch den Stadtteil Double Bay, der von den Einheimischen aufgrund der hier ansässigen teuren Boutiquen "Double Pay" genannt wird. Im Stadtteil Rose Bay kamen wir vorbei an einem Golf- und Tennisclub; wer hier spielen mag, muss kein Club-Mitglied sein.
In Rose Bay machten wir nahe dem Forsyth Park einen kurzen Japaner-Stopp, obwohl wir hier unserer Meinung nach einen weniger atemberaubenden Ausblick auf Sydneys Skyline hatten. Dafür sahen wir eine mittlerweile verblühte Banksia, einen blühenden Eukalyptus und einen Weihnachtsstern. Pflanzen sind auf unserer Rundreise durch Australien bislang etwas zu kurz gekommen, deshalb haben wir nun auch gezielt danach Ausschau gehalten.Bei „The Gap“ stiegen wir ein weiteres Mal aus und unternahmen einen kurzen aber schönen Küstenspaziergang mit Blick auf Watsons Bay. Die Wege hier sind gut ausgebaut und für Personen mit Handicap geeignet. Während des Spaziergangs begegneten wir einer riesigen Norfolk-Tanne (Araucaria heterophylla), die ihren Ursprung auf den Norfolk-Inseln im Pazifischen Ozean hat. Die Norfolk-Tanne ist ein immer grüner Baum mit einer Höhe von 50 bis 70 m und einem
Stamm-Durchmesser von bis zu 1,75 m.
Vorbei an den Dover Heights fuhren wir gezielt zu DEM bekanntesten Strand von Sydney: Bondi Beach, den wir gegen 11:40 Uhr erreichten. Da Bondi Beach von Rettungsschwimmern bewacht und von der Wasserwacht kontrolliert wird, kann man hier halbwegs sorgenfrei schwimmen und surfen. Sorgenfrei, da sofort Alarm geschlagen wird, falls sich ein Hai in den Strandabschnitt verirrt oder sich Quallen in der Bucht befinden. Die veranschlagten 40 Minuten gingen viel zu schnell vorüber. Wir nutzten trotzdem die Chance, um unsere Füße ins Wasser zu halten. Donnerwetter, die Wassertemperatur war ziemlich knackig und trotzdem sind einige Mutige munter ins kühle Nass gesprungen. Für unseren Souvenirschrank brauchten wir noch unbedingt Sand - für uns ein Muss eines jeden Strandaufenthalts. Also füllten wir noch schnell eine leere Wasserflasche mit Sand und machten uns dann wieder auf den Weg zum Minibus.
Bevor wir wieder Richtung City fuhren, zeigte uns Ulrike noch schnell die beiden anderen Strände, den Tamarama Beach und den Bronte Beach. Alle Strände sehen sauber aus und sind schön feinsandig. Da wir Wochenende hatten und außerdem Beginn der 2-wöchigen Ferien, war entsprechend viel los an allen drei Stränden, wobei Bondi Beach flächenmäßig größer/breiter ist als die beiden anderen Strände.
Dann fuhren wir noch durch das Künstlerviertel Paddington, was nichts mit der Kinderserie „Paddington Bear“ gemein hat, und vorbei am Centennial Park, in dem man unzählige Sydneysider beim Joggen beobachten kann. Während unserer Reise durch Down Under ist uns aufgefallen, dass in allen besuchten Städten die Einwohner sportlich äußerst aktiv waren - ob beim Joggen, Radl oder irgendeiner anderen Sportart.
Zum Schluss unserer Sydney-Stadtrundfahrt fuhren wir noch durch den Stadtteil Darling Hurst, wo sich die Schwulen- und Lesbenszene bewegt. Im Februar jeden Jahres ist hier immer buntes Treiben angesagt, denn dann findet hier eine Art Christopher Street Day und Love Parade in einem statt.
Um 13:00 Uhr endete unsere Stadtrundfahrt am Hafen von Sydney und unsere Gruppe löste sich auf, denn wir hatten den Rest des Tages nun zur freien Verfügung. Natürlich wollten wir uns eine Hafenrundfahrt nicht entgehen lassen und besorgten uns auch sogleich Tickets für die Fähre nach Manly. Wir waren weniger an Manly interessiert; wir wollten einfach nur die Sydney Opera und die Harbour Bridge vom Wasser aus sehen. Auf das nächste Schiff für die reguläre Hafenrundfahrt hätten wir noch 1,5 Stunden warten müssen. Und da uns dies zu lange dauerte, haben wir einfach für 14 AUD ein Hin- und Rückfahrt-Ticket nach Manly gekauft, denn auf dem Weg dorthin schippert man vorbei an Sydneys Oper und man hat außerdem einen tollen Blick auf die Harbour Bridge. Wir waren mit die ersten Passagiere, die auf die Fähre zugestiegen sind und hatten eigentlich recht gute Plätze. Eigentlich, wenn da nicht eine „Rubens-Dame“ meinte, sich mit ihrem üppigen 16:9-Körper mitten vor unsere Kameralinse zu stellen und uns die ideale Sicht auf unsere begehrten Sights völlig zu nehmen. Eine andere Blinse rechts neben Alexander hat außerdem die Klamotten ihrer Sitznachbarn mit Sonnencreme vollgesprüht, weil sie die Dimension ihres eigenen Körpers falsch einschätzte ... Ihr seht, so aufregend (im wahrsten Sinne des Wortes) kann eine Fährfahrt nach Manly sein. Wenigstens verlief die spätere Rückfahrt entspannter und wir konnten die gewünschten Foto-Aufnahmen endlich machen.
In Manly schlenderten wir kurzweilig an der Strandpromenade entlang und kehrten dann beim „Gasthaus zum Goldenen M“ direkt am Kai ein. Hier trafen wir zufällig auf zwei deutsche Studenten, mit denen wir uns regelrecht verquatscht haben, da wir ursprünglich nur eine Kleinigkeit essen und dann gleich wieder nach Sydney übersetzen wollten. Wir haben uns so nett mit den beiden "Jungs" unterhalten, dass wir erst zwei Fähren (verkehren zwischen Sydney und Manly im halbstündigen Rhythmus) später abgefahren sind. Bei der Einfahrt in den Hafen von Sydney kamen uns zwei - könnten auch drei gewesen sein - Delfine entgegen. Melanie war von den Delfinen total begeistert, dass sie ihnen am liebsten hinterhergesprungen wäre - und das Fotografieren auf die Schnelle völlig vergessen hat. Sorry, mit 'nem Delfin-Bild im Hafen von Sydney können wir hier also leider nicht dienen. :o(
In Sydney wieder ankommend haben wir uns noch eine ganze Weile am Circular Quai aufgehalten und sind zum Opernhaus gelaufen. Um die Oper herum herrschte reger Publikumsverkehr. Nach unendlich vielen Fotoaufnahmen haben wir uns auf eine Parkbank vor der Opera gesetzt und genossen den einsetzenden Sonnenuntergang mit Blick auf Harbour Bridge. Irgendwann ist uns eingefallen, dass wir Family & Friends ja noch mit Grüßen aus Down Under erfreuen wollten. Also besorgten wir noch eine ordentliche Anzahl an Postkarten und machten uns via George Street auf den Weg Richtung Hotel. Den Rest des späten Abends verbrachten wir damit, einige Klamotten zu waschen - die bei dem Klima in Sydney bereits am nächsten Morgen schon wieder trocken waren - und Postkarten zu schreiben.



